Erntezeit

Leute, die Zeit fliegt nur so dahin. Ich weiß manchmal gar nicht, wieso sie so schnell vergeht!? Ich habe mir schon lange vorgenommen, wieder etwas zu schreiben und aus unerfindlichen Gründen, kam es dann doch wieder anders. Aber jetzt ist Erntezeit im Südtiroler Unterland und damit wird es wirklich Zeit wieder einen Beitrag zu veröffentlichen.

Ich sagte gerade heute zu meiner besseren Hälfte, dass wir hier wahrlich im Schlaraffenland wohnen. Die Umgebung ist immer schön, und das Klima und die fleißigen Hände bringen so wunderbare Früchte hervor. Es ist wirklich ein Wunder für mich jedes Jahr. Viele köstliche Apfelsorten, Weinsorten und so viele Obst- und Gemüsesorten, die man sich kaum vorstellen kann – all das wächst hier. Im Frühjahr bekamen wir ein Kürbispflänzchen geschenkt. Warum das etwas Besonderes ist, das möchte ich euch heute erzählen.

Ich mochte keine Kürbisse essen! Lange Jahre habe ich alle möglichen und unmöglichen Rezepte versucht, aber ich konnte das Ergebnis nie essen. Oder nur mühsam. Also habe ich gedacht, dass ich einfach keine Kürbisspeise mag. Punkt. So bin ich eben. Lange, mühevolle Versuche und das Ergebnis passt nicht, dann war’s das für mich. Vergeudung von Energie und kostbaren Rohstoffen für den Biomüll, das geht gar nicht.

Und dann bringt mein Schatz eine Kürbispflanze heim. Tja…ok. Soll sie halt mal wachsen. Wir werden schon jemanden finden, der Kürbis mag.

Und im Laufe des Sommers, da wuchs das Pflänzchen zuerst zu einer stattlichen Pflanze heran. Dann wuchs sie weiter und wuchs, und wuchs und wuchs. Sie fing an zu wuchern. Sie nahm nicht nur ihren vorgesehenen Platz ein, sondern sie eroberte des Nachbarn Terrasse ebenso, wie unseren Holzschupfen. Mit ihren Ranken suchte sie sich auch den Weg auf den Rasen, was ich regelmäßig bekämpfen musste, sonst wäre unser Rasen auch dahin. Insgesamt haben wir direkt ein „Kürbisfeld“! Nun haben wir schon einige große Kürbisse geerntet und ich weiß inzwischen, dass es der begehrte „Butternut“ ist.

Und ich habs wieder versucht! Ich muss sagen, dass ich total überrascht war! Dieser Kürbis hat fast keinen Eigengeschmack und ist fantastisch zu verarbeiten. Ich habe sogar schon viele Rezepte probiert und bin wirklich begeistert! Wer hätte das gedacht, dass dieses kleine Pflänzchen nicht nur unseren Garten erobert, sondern auch meinen Gaumen und mein Herz! So kommt es oft anders, als man denkt.

Ehrlich Leute, das kann mir nur hier passieren. Ich weiß auch nicht warum das so ist, aber ich bin so verliebt in dieses Landl, dass ich alles probieren muss, was es mir schenkt. Ich spüre, dass auch ich offener und experimentierfreudiger werde. Ich bin gelassener und ruhiger, wenn ich hier bin. Als würde der liebe Gott ein besonderes Auge auf dieses Land haben. Dieses herrliche Klima und die wunderbaren Menschen hier, haben großen Einfluss auf mein persönliches Befinden. Hier habe ich zum ersten Mal einen Gipfel erklommen, wenn auch nur durch die einfache Tour, die mein Schatz aussuchte. Hier habe ich zum ersten Mal frische Feigen gegessen. Zum ersten Mal wurde ich so aufgenommen, als hätte man mich schon lange erwartet. Ich fühlte mich vom ersten Tag an hier im Südtiroler Unterland geliebt, geborgen und ja, daheim. Ein Zuhause, wie ich es noch nie hatte (bis auf die Bürokratie des Staates, echt – darauf könnte ich leicht verzichten!). Auch wenn ich damit vielleicht meine eigene Familie ein wenig verletzen könnte, kann ich nur das sagen, was ich erlebe, erfahre und fühle seit ich hier bin.

Ich beginne zu verstehen, warum dieser Teil der Erde so begehrt war in der Geschichte.

Die Geschichte natürlich ist ein Teil, der mir außerordentlich weh tut. Gerade zur Zeit gibt es viel Erinnerung hier. An die Abtrennung von Österreich nach dem 1. Weltkrieg, dann auch an die Option im 2. Weltkrieg und die unglaubliche Unterdrückung der österreichischen Minderheit wird erinnert. Es tut mir innerlich so weh, dass ich manchmal die Dokumentation im Fernsehen nicht mehr ansehen kann. Welches Leid hier noch immer im Unterbewusstsein und auch im Bewusstsein der Bevölkerung ist, das kann wohl kaum jemand von außen beurteilen. Aber ich fühle dies sehr oft und ich fühle mich selbst betroffen, obwohl ich natürlich nie direkt betroffen war. So wie Tirol zerbrochen wurde in vier Teile, so bricht mir jedesmal das Herz, wenn ich diese Geschichte höre, sehe oder sonst wahrnehme.

Ich erinnere mich noch gut an die Volksschule, als wir von den Katakombenschulen in Südtirol hörten. Da lernten wir zum ersten Mal, wie furchtbar es für die Kinder in Südtirol gewesen sein muss. Und wir hörten von der großen Liebe zur eigenen deutschen Muttersprache, dass Lehrpersonen sogar Leib und Leben riskierten, um sie den Kindern zu vermitteln. Wir lernten von einer unglaublichen Tapferkeit und großem Kampfgeist, um die eigene Sprache und Kultur nicht zu verlieren.

All das prägte dieses Land und vor allem die Menschen sehr. Darum kann ich heute sehr dankbar sein, dass ich in einer bestimmten kulturellen Unbekümmertheit aufwachsen durfte. Und zugleich sehr mitfühlend mit allen sein, denen das nicht vergönnt war. Im Herzen umarme ich die Menschen hier, sooft ich daran denke. Ich möchte sie halten und wiegen und ihnen sagen: „Danke, dass es dich gibt!“

Vielleicht ist dieser Blick auch notwendig für mich, um hier so glücklich zu sein. „Denn man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ So lehrt uns der berühmte französische Autor Antoine de Saint-Exupéry in der wunderschönen Geschichte „Der kleine Prinz“.

Insofern kann ich die vielen Neider – die es leider auch in Nord- und Osttirol gibt – nie verstehen. Denn sie haben alle keine Ahnung, was die Südtiroler opfern mussten, um dahin zu kommen, wo sie heute sind. Wie viel Anstrengung und Verbiegungen tagtäglich nötig waren und auch so viele Kämpfe, mit Opfern bis hin zum Leben waren unabdingbar, um diese Freiheit zu erringen. Eine Autonomie, die immer gefährdet wird und bis heute verteidigt werden muss. Wie man da noch neidisch sein kann, das bleibt mir einfach nur ein Rätsel. Oder ist es einfach nur Dummheit oder Unwissenheit?

Als einmal eine Landsmännin zu mir sagte, dass sie nicht will, dass die Auslandsösterreicher nicht mehr wählen dürfen, da war ich sprachlos. Schließlich bin ich auch eine! Es ging zuerst um die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler und schließlich landeten wir bei allen Österreichern, die länger als fünf Jahre im Ausland leben. Also wer so denkt, hat wohl Grundlegendes zur Staatsbürgerschaft nicht begriffen und ich musste dabei auch lernen, dass mit Menschen, die nicht dazu lernen wollen, sondern an ihrem Halb- oder Nichtwissen festhalten, kein Dialog im positiven Sinn möglich ist. Aber ich fing an mich fremdzuschämen für meine Mitbürger, die so denken. Aber das ist eine gaaaanz andere Geschichte und vielleicht erzähl ich euch diese ein ander Mal.

So bleibt mir heute nur noch euch eine herrliche Herbst-, Genießer-, Ernte- und Wohlfühlzeit zu wünschen. Im Herbst ist das Schöne immer und überall, ja sogar im Regen gibt es Schönes zu finden….

Wie immer freue ich mich auf eure Rückmeldungen, Anregungen und was euch sonst noch dazu einfällt!

Was ist Glaube?

Nur mit dieser Überschrift allein, wären jetzt – sagen wir mal ca. 90% sicher schon überzeugt, wovon dieser Beitrag handelt. Setze ich ein Bild als Titelbild ein, das auf eine Religion hinweist, dann wären dies mehr als 90%! Ok. Das ist einfach mal von mir so geschätzt. Ich dachte also darüber nach, welches Bild ich denn nehmen könnte, was der Überzeugung von ca. 90% widerspricht. Es ist nicht einfach ein relativ neutrales Bild zu finden, denn bei Landschaften, Natur oder süße Tiere ist die Religion wieder drin. Zerstörung kann ich nicht verwenden, da es ja wirklich nichts mit dem Beitrag zu tun hätte. Also welches Bild sollte ich mir dafür aussuchen? Also ein Südtirol Bild wird es wieder werden. Denn Südtirol verbindet für mich beides: Glaube und Intelligenz. Glaube widerspricht der Intelligenz normalerweise nicht. Was ich mir dazu überlegt habe, das möchte ich gerne mit euch teilen.

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Sprach(los)begabt

Da ich derzeit keinen Sprachkurs mache, weil ich mir das vorgenommen hatte, kann ich aber dennoch auf ein kleines bisschen Unterricht doch nicht verzichten. Italienisch hat für mich – und vielleicht auch für andere Deutschsprachige – seine Tücken. Ich erinnere mich, als ich mal zu meinem Schatz in Italienisch sagte, dass ich die „lampioni“ gerne esse, wie er heftig zu lachen anfing! Er wusste natürlich, was ich sagen wollte, aber in Wirklichkeit sagte ich tatsächlich, dass ich Lampen gerne esse! Gemeint waren aber die „lamponi“ – die Himbeeren. So kommt es oft, dass ich Vokabeln entweder verwechsle oder gleich eine neue Wortschöpfung kreirte, die es bis dato im Italienischen noch gar nicht gab. Oft ist mein Schatz aber nicht wirklich hilfreich, weil er mir Worte sagt, die entweder aus dem trentinischen Dialekt stammen, oder gar nicht wirklich „stubenrein“ sind. Also beides eher weniger geeignet für mich im italienischen Sprachgebrauch. Glücklicherweise nahm ich 2014 an einem tollen Projekt in Bozen teil, das mir bis heute zwei Freundinnen bescherte, die – so wie ich – sehr daran interessiert sind, die deutsche Sprache zu erlernen und mir helfen beim Spracherwerb in Italienisch. Das Projekt „Tandem“. Darüber möchte ich euch gerne berichten.

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Auf zum Schwur Tirolerland…

Wie doch die Zeit vergeht. Im Südtiroler Unterland ist der Sommer eingezogen und hat die letzten Wochen viel Hitze mitgebracht. Meine liebste Jahreszeit ist nun voll da und ich freue mich des Lebens hier. Wenn ich morgens meine Runde walke – ja, ich liebe das Nordic Walking – die vielen Blüten sehe, mitten durch die Weinberge gehe und die Dörfer im Etschtal von oben betrachten kann, dann jubiliert meine Seele. Wirklich toll. Man trifft dann auch nette Leute und es geht sich immer wieder ein „Ratscherl“ aus. Auch einige wichtige Termine für die Schützen fanden statt: Fronleichnam und Herz Jesu! Was es damit auf sich hat und welche Bedeutung diese Feste für uns Katholiken in Tirol haben, möchte ich euch gerne erzählen.

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Sommer, Klima und andere Hitzewellen

Meine Güte, wie die Zeit vergeht. Aber es war eine tolle Zeit, die ich inzwischen verbracht habe. Der Sommer ist nun endgültig eingetroffen und übertrifft sich mit den Temperaturen wieder selbst und bricht alle möglichen Rekorde. Klimaanlage sei Dank, dass ich kein Problem mit der Hitze habe. Viele sind schon im Urlaub, andere schon bald. Ich bin sowieso irgendwie 365 Tage im Jahr im Urlaubsmodus, da meine Umgebung im Südtiroler Unterland mir eine gewisse Gelassenheit und Lockerheit beschert hat. Wer mich kennt, weiß wie außergewöhnlich das für mich ist. Die Urlaubszeit beschert aber auch interessante Debatten über das Klima. Was ich darüber denke, möchte ich euch nicht vorenthalten.

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Die Sache

„Es geht um die Sache!“, so oder ähnlich wird oft gesagt, wenn in einer hitzigen Diskussion die Emotionen hochkochen, um wieder auf eine sachlichere Ebene der Diskutanten zu finden. Oft wird dies aber auch falsch verwendet. „Ich höre nur ich, ich, ich“, sagte kürzlich jemand. Ja, das kann schlecht sein. Doch eine Frage muss ich doch stellen dürfen: muss das „Ich“ vor einer „Sache“ verschwinden? Ist es nicht so, dass dieses „Ich“ sich bereits in eine „Sache“ einbringt? Ohne dieses „Ich“ kann sich leider keine Person einbringen, da wir nun mal Individuen sind und nur deshalb bestimmte Kompetenzen haben, die wir durch unsere sehr persönliche Lebensgeschichte gewonnen haben! Besonders fragwürdig ist es dann, wenn diese Person, die diese Kritik anbringt, bereits ihr eigenes „Ich“ mehr als genügend bedient durch die „Sache“! Es ist also immer eine Sache des Blickwinkels, ob dieser Anspruch einer Sache zu dienen gerechtfertigt ist. Meine Gedanken dazu möchte ich euch nicht vorenthalten.

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Respekt

Es gilt mein Respekt vor allem den Südtiroler Bauern, die sehr viel Arbeit, Schweiß und Mühe in ihre Produkte stecken. Das Wetter spielt natürlich immer eine große Rolle und obwohl Südtirol sicher klimatisch vorteilhaft ist, kann es trotzdem schnell gehen, wenn das Wetter seine Kapriolen spielt und zur „Unzeit“ Hagel schickt. Der Respekt gilt natürlich allen Bauern auf der Welt, aber hier in Südtirol sehe ich jeden Tag, wie wunderbar alles gepflegt wird. Respekt habe ich aber auch und vor allem vor den Männern der 60iger Jahre, die um diese Freiheit gekämpft haben. Sonst würde Südtirol wohl nicht mehr das uns bekannte Südtirol sein. Und die Bauern würden wohl kaum noch ein Wort Deutsch sprechen. Doch welches Selbstbild und Selbstverständnis muss man haben, um sich so für die Freiheit ins Zeug zu legen? Ich denke, dass es viel mit Selbstachtung zu tun hat. Selbstachtung? Mhm.. wo beginnt sie und wo hört sie auf? Darüber habe ich mir einige Gedanken gemacht.

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Angriff ohne Fläche

Ich dachte schon, dass ich auf meinen letzten Eintrag keine Reaktion erhalten würde, da das Thema ja schon breit und vielfältig medial aufbereitet wurde („Schneechaos“). Dann kam doch aus einer vollkommen überraschenden Ecke eine Reaktion! Ich muss gerade wieder laut lachen, wenn ich daran denke. Es war eine vernichtende Kritik! Ich sei vollkommen ahnungslos, was die Südtiroler Geschichte, Mentalität und politische Situation betrifft. Der dahinter stehende Wunsch war beinahe greifbar: es sollte mir richtig schlecht ergehen in Südtirol. Warum wünscht mir das jemand? „Oh mei, dr Neid isch a Hund!“, hat schon mein Vater gerne gesagt. Was macht das mit mir, wenn jemand so mit mir umgeht? Diese Gedanken dazu möchte ich gerne mit euch teilen.

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Schneechaos

Viele haben es erlebt, alle reden darüber, jeder sucht den oder die Schuldigen für das katastrophale Verkehrschaos am Wochenende in Südtirol. Da ich auch am Samstag heimfahren wollte, kam ich in den Genuß eines Staugefühls. Acht Kilometer in drei Stunden auf der Autobahn. Alles verstopft. Kein Weg führte hinauf. Schuldfragen wären zu klären, aber nicht von mir. Meine Erfahrung sagt mir schon, wo es Probleme gab. Wenn aber ein Landeshauptmann sagt, dass das sowieso immer wieder passieren wird, da die Brennerstrecke immer überlastet ist, dann hat man wohl aufgegeben, um nach Lösungen zu suchen. Was mir auffiel, das schreibe ich hier mal kurz zusammen:

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