Rückblick 2019 und dann…

Ende des Jahres ist immer die Zeit der Rückblende, des Schauens und hin und wieder, des Erkennens. Besonders ist die Umstellung in das neue Umfeld in Südtirol. Nein, die Umstellung ist noch nicht vorbei. Das italienische Staatssystem und die Erkenntnis der anderen Arbeitsvoraussetzungen waren dieses Jahr maßgeblich für mich. Zum ersten Mal erlebte ich nicht nur das heimatliche Tirol im Süden, sondern auch Italien und das im Besonderen. Was es mit den Menschen macht, wie Südtiroler darauf reagieren, welche Strategien sie entwickelten und schließlich auch was es mit mir macht. All das war 2019! Und noch viel mehr.

Herz Jesu Feuer – besondere Aktion, um Österreich als Vaterland zu ehren.

Vor allem dachte ich schon daran, das bloggen zu lassen. Ich hatte einfach viel zu wenig Zeit, um mich darum zu kümmern. Heute habe ich mir aber gedacht, dass 2019 ein viel wichtigeres Jahr war, als 2018 – als ich hierher zog. Also werd ich doch weiterbloggen….

Blick von der Haderburg in Salurn. Lieber Besuch im Juli!

Ich erlebte innerhalb der ersten Hälfte des Jahres eine herbe Enttäuschung. Aufmerksame Leser haben das auch mitbekommen. Aber ich war so enttäuscht, dass ich es nicht in Worte fassen konnte. Gleichzeitig musste ich den Kopf über mich selbst schütteln, da ja auch hier in Südtirol nur Menschen leben. Keine Übermenschen, die zu 100% ehrbar sind. Daher ist es wohl einfach klar und vollkommen normal, dass es Menschen gibt, die ihre Überzeugung, die sie nach außen tragen, vom Geld abhängig gemacht haben. Also erste Erkenntnis: wirst du enttäuscht, dann wurdest du – Gott sei Dank – von einer Täuschung befreit. Nicht auf jeder Verpackung wo „Tiroler aus Überzeugung“ steht, ist selbiger auch drin. Wäre er woanders oder bekäme er woanders sein Geld her, dann würde die Verpackung wohl anders aussehen. Aber wie gesagt, es sind nur Menschen, die in einem schwierigen Umfeld ihr Leben meistern müssen.

Erntedank Oktober

Aber ich habe auch wirkliche, echte Tiroler kennenlernen dürfen. Echte, warmherzige und liebe Menschen, die sich nicht verbiegen lassen. So entstanden auch Freundschaften, die ich nicht missen möchte. Ein Freund ist da ganz besonders für mich geworden. Er hatte in jungen Jahren schon schlimme Bekanntschaft mit den Carabinieri gemacht, die ihn bis heute prägte. Ein Mensch, der nach wie vor sagt, was er denkt. Trotz oder vielleicht gerade weil er diese Erfahrung machen musste. Ich danke Gott von Herzen für dich!

Interessanterweise konnte ich auch von meinem früheren, schlimmen Arbeitsplatz eine wunderbare Freundschaft mit einer Französin mitnehmen. Wir haben immer Kontakt und sie sagt selbst, wenn sie eines Tages zurück nach Frankreich gehen wird, dann werden ihr von den ca. 60 Freunden wohl nur eine Handvoll davon bleiben. Und ich sei eine davon. Auch für dich danke ich Gott von Herzen.

Nachdem ich den Job aufgegeben hatte – was für mich die beste Entscheidung ever war! – wurde ich ins System „Arbeitslosigkeit“ aufgenommen. In Südtirol ist es echt komplizierter! Hab ich das schon mal erwähnt? „smile“. Hier muss man zuerst zum Patronat gehen und dort muss man eine Bestätigung der Bank bringen, damit man den Antrag stellen kann. Wohlgemerkt nicht der Antrag am Arbeitsamt, sondern den muss man im Patronat stellen. Da war schon mein erstes Problem: ich hatte noch kein italienisches Bankkonto. Dachte, dass das nicht nötig sein würde, schließlich können die Überweisungen EU-weit gemacht werden. Tja, also dann: nichts wie hin zur nächsten Bank und Konto eröffnen. Dann bekam ich die Bestätigung und konnte wieder zurück zum Patronat gehen. Dort musste ich noch eine Gebühr zahlen (!) für den Antrag. Danach durfte ich dann zum Arbeitsamt gehen und mich dort melden.

Die Menschen in diesen Ämtern sind recht nett und bemüht. Soviel kann ich sagen. Aber ich bin echt den ganzen Vormittag herumgelaufen. Dann muss man noch zur Krankenkasse gehen und mit der Vereinbarung vom Arbeitsamt die Arbeitslosigkeit melden. Nein, ich beschwere mich nicht, aber in Österreich gehe ich zum Arbeitsamt und alles andere geht vollautomatisch. Ist echt bequem, nicht wahr? Tja, Südtirol ist so wunderschön, da nimmt man dieses super-komplexe System gerne in Kauf. Außerdem hatte ich ja auch nichts zu tun, also kein Problem.

Nach drei Monaten fand ich eine neue Stelle. Diesmal war es eine Büroarbeit und ich saß einer Italienerin gegenüber. Eine sehr nette, junge Frau. Sie war des Deutschen auch mächtig, war aber italienische Muttersprachlerin. Es waren mehrere Italiener im Büro, davon sprachen nur zwei kein Deutsch. Die anderen konnten es verstehen, da sie in Südtirol aufgewachsen sind. Alle sehr nett und hilfsbereit. So konnte ich mein Italienisch sehr verbessern, wofür ich dankbar bin. Leider auch hier ein gravierendes Führungsproblem, wie ich schon so oft gesehen habe. Ein Problem, wenn das Personal als Ware gesehen wird. Aber davon habe ich euch schon in einem anderen Beitrag berichtet.

Beim Vorstellungsgespräch wurde mir noch gesagt:“Lange versuchten wir nur deutschsprachige Mitarbeiter einzustellen, aber das war leider nicht möglich.“ Später macht diese Person eine Bürobesprechung, wo genau eine Person nur Italienisch spricht und die Mehrheit deutsche Muttersprachler sind. Diese Besprechung fand nur in Italienisch statt. In der Südtiroler Autonomie für mich vollkommen unverständlich. Aber eine Tatsache. Man könnte sich doch die Zeit nehmen und es zweisprachig machen, oder?! Außer man hat endgültig vor dem „Siamo in Italia“ resigniert. Schade, dachte ich. Gut für mein Italienisch, schlecht für die Autonomie.

Schließlich war der Führung und mir selbst bald klar – aus verschiedensten Gründen, die ich hier nicht näher beschreiben will, dass diese Konstellation für die weitere Zukunft ungünstig ist. Daher wurde ich noch während der ellenlangen (über vier Monate!) Probezeit gekündigt. Ich war erleichtert. Ehrlich.

Also wieder auf zum Arbeitsamt. Diesmal ging es einfacher, da der Antrag des letzten Males noch gültig war.

Mein Schatz und seine Familie waren auf meiner Seite, da die Stories, die ich oft mitbrachte, sie wirklich erschreckten. Wer keiner echten Empathie für seine Mitmenschen (=Mitarbeitern) fähig ist, dem hilft auch kein noch so gutes Führungsseminar. Dies konnte ich auch feststellen. Wieder etwas gelernt durch Beobachtung. Als ich mit meiner französischen Freundin darüber sprach, stellten wir wieder einmal fest, dass der Arbeitsmarkt immer menschenfeindlicher wird. Aber wir sind doch starke Frauen und lassen uns davon nicht entmutigen. Wir haben außerordentliche Fähigkeiten und irgendwo finden wir schon noch den richtigen Arbeitgeber, der dies zu schätzen und zu fördern weiß. Fordern ist leicht, das Fördern ist die Kunst! (Aus einem Führungsseminar!)

In meinem Innersten kam die Entscheidungsphase erst so richtig nochmal hoch: ich stellte fest, dass ich zwar hergezogen war, aber mein Innerstes immer noch den Notfallplan im Koffer hatte. Ich kann ja immer wieder zurück nach Hause – nach Tirol gehen. Also kam nochmal so ein innerer Kampf auf, der sich doch ein wenig hingezogen hatte. Schließlich gab es familiäre Vorkommnisse, die es mir zumindest leichter gemacht hatten. Die Entscheidung ist nun gefallen, dass ich für den Rest meines Lebens in Südtirol bleiben werde. Wir wissen zwar nicht, was die Zukunft bringt, aber ich bin nun wirklich innerlich bereit, im Norden die Zelte (falls eines Tages nötig) endgültig abzubrechen.

Der Lech: Wildfluss in meiner alten Heimat Dezember

Insgesamt ein Jahr der Ereignisse, der Entscheidungen, des Neubeginns. Mir fällt es schon immer leichter neu anzufangen. Ist wohl auch so eine Übungssache. Je öfter, desto leichter wirds.

Insgesamt bin ich dankbar für all die Begegnungen, Freundschaften und Erkenntnisse. Schließlich lernt man nicht nur von den Anderen, sondern ich lerne immer mehr über mich selbst. Und ich werde immer besser darin, auf mein Innerstes zu hören. Und DAS ist wirklich lebenswichtig für mich.

2020 –

Bild von pixabay

So siehts im Moment noch aus, das neue Jahr. Leer. Es kommt und wartet darauf, dass es sich mit Neuem, Altem, Schönem, Frischem, Lebendigem usw. füllen kann. Ich werde auch dieses neue Jahr mit beiden Armen fest drücken und willkommen heißen. Ich freue mich darauf, dass ich wieder viel erleben werde: Gutes und weniger Gutes, aber jedesmal etwas zu entdecken und Neues zu lernen.

So wünsche ich euch allen ein wunderbares Jahr 2020 und einen fröhlichen Jahreswechsel!

Erntedank

Der Sommer ist vorbei, die Ernte ist so gut wie eingebracht und das Wetter lädt uns ein, wieder einmal innezuhalten. Es ist aber auch die Zeit, in der wieder vermehrt die Ausrückungen der Schützen beginnen. Eines der ersten großen Ereignisse ist der Erntedank-Sonntag. Es ist Brauch, dass wir Gott „Danke“ sagen für die Früchte der Erde und für die schöne Sommerzeit. Die Zeit vergeht so schnell und ich bin schon wieder erstaunt, dass ich schon sooooo lange nichts mehr gebloggt habe. Aber ich halte es mehr mit der Qualität, statt der Quantität.

Welche Gedanken bei mir zu Erntedank zwangsläufig auftauchen, möchte ich euch gerne erzählen.

Zuerst das Schöne und Helle:

die Tracht nach einiger Zeit wieder anzuziehen ist immer wieder ein Erlebnis. Irgendwie habe ich dann immer das Gefühl, dass ich sie vermisst habe. Allerdings immer erst im Moment, an dem ich sie mir anziehe. Es ist eine spezielle Beziehung, die ich zu meiner Tracht aufgebaut habe. Sie ist einfach wunderschön. Auch wenn wir Frauen oft mit unserer Figur hadern (welche tut das nicht!?), habe ich mit der Tracht ein anderes Selbstvertrauen, da sie wirklich ein toller Schmuck ist und die Aufmerksamkeit auf ihr liegt und nicht so sehr auf meiner Figur. Zumindest sehe ich mich anders. Sie macht mich einfach irgendwie schöner! Kann natürlich am veränderten Selbstbewusstsein liegen.

Wir trafen uns mit unserer Partnerkompanie aus Innsbruck hier im Süden am Samstag, um miteinander zu törggelen. Wir veranstalten dann ein Freundschaftsschießen und am Abend essen wir gemeinsam. Natürlich dürfen da die gebratenen Kastanien nie fehlen. Ein Kamerad von uns ist da der Spezialist, der immer sehr gute „Keschtn“ besorgt und sie für uns brät.

Vor allem geht es aber um das gemütliche Beisammensein und den Austausch untereinander. Für mich ist dies auch immer ein schöner Einstieg in das „Schützenjahr“ – so habe ich es für mich genannt. Natürlich sind die Schützen das ganze Jahr über aktiv. Aber bei uns wird auch immer die Urlaubs- und Erntezeit berücksichtigt und wir sind nicht so oft unterwegs. Ab Erntedank geht es dann wieder los.

Erntedankprozession: unser Kamerad geht mit dem Kreuz voraus

Nach dem Törggelen ist am Sonntag dann Erntedank:

Nach der heiligen Messe in der Kirche gehen wir der Prozession voraus und wir sind da immer ganz stolz, dass das Kreuz einer unserer Kameraden trägt. Dieses Jahr war ein besonderes Jahr, weil unser Jungschütze nun im wahrsten Sinne des Wortes herausgewachsen ist und als vollwertiger Schütze angelobt wurde. Die Angelobung ist etwas Feierliches. Kurz, aber intensiv. Wir legen unsere Hand auf unsere Schützenfahne und sprechen den Eid nach, den uns der Hauptmann vorspricht. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Angelobung! Damit ihr euch etwas darunter vorstellen könnt, hier die Worte des Eides:

„Ich gelobe, die Grundsätze und Ideale des Tiroler Schützenwesens, Treue zum Väterglauben, Treue zu Volk und Heimat, Treue zum Tiroler Schützenbrauch, Ehrfurcht vor unseren ruhmreichen Vorfahren, jederzeit hochzuhalten und allezeit zu bewahren, sowie meine Pflichten in der Kompanie und im Südtiroler Schützenbund gewissenhaft zu erfüllen und jedem Kameraden brüderlich zu begegnen, so wahr mir Gott helfe.“

Angelobung unseres Neumitlgieds Lukas.

Ich erinnere mich noch, dass das Wort „brüderlich“ mir nicht so leicht über die Lippen kam, da ich ja kein Bruder bin und deshalb ja nicht weiß, wie man „brüderlich“ begegnet… Aber ich bin Mitlgied eines Traditionsvereins und diese Struktur ist natürlich noch patriarchaisch. Wer dies aber als „rechts“, mit der sehr negativen Konnotation vom Nationalsozialismus, bezeichnet, hat leider nichts von unseren Traditionen verstanden. Wohl auch nicht viel von unserem katholischen Glauben.

Hier könnte ich wieder einmal auf das ewigmühselignervigerechtslinks Verständnis, sprich schwarz-weiß Denken einiger eingehen. Aber das werde ich hier nicht machen, da es mir sowieso sinnlos erscheint. Wer die Schützen hier kennt, weiß wovon ich spreche. Wir sind einfach Menschen, die gerne an unsere Vorfahren denken, die ihre Arbeit unter schwersten Bedingungen verrichteten und ihre Hingabe an Gott bezeugten, durch regelmäßigen Gottesdienstbesuch und für die das Gebet im Alltag normal und selbstverständlich war.

So hat also unser inzwischen Großer den Eid abgelegt und wurde von uns mit einem dreifachen „Schützen Heil“ willkommen geheißen. Natürlich ist er schon lange dabei, aber eben als Jungschütze. Ich fand seine Entschlossenheit und Treue wirklich toll, da er ganz allein als Bub zu uns kam. In anderen Kompanien gibt es noch andere Jungschützen oder Jungmarketenderinnen. Bei uns leider nicht. Umso höher ist es zu schätzen, dass er durchgehalten hat bis zu diesem Tag.

Ein besonderer Gast war diesmal auch unser „Mini-Nachwuchs-Schütze“:

Der kleine Josef mit seinem stolzen Papa Andreas. Unsere Zukunft! Bild: Manuela Leitner

Erntedank also nicht nur wegen der Frucht der Erde, sondern auch für das Durchhaltevermögen, die Standfestigkeit und die Hingabe an eine Tradition, die in dieser Zeit wohl immer wichtiger wird. Dank auch von mir, dass ich hier in diesem wundervollen Land leben und arbeiten darf. Dass ich hier geliebt und geschätzt werde. Ein neues Leben im Südtiroler Unterland bekommen habe.

Josef und ich bei der Aufstellung. Ein schöner Augenblick! Bild: Manuela Leitner

So wünsche ich euch allen von Herzen einen schönen Herbst mit allem, was dazu gehört. Wie immer freue ich mich über eure Rückmeldungen, Hinweise und konstruktive Kritik.

Auf zum Schwur Tirolerland…

Wie doch die Zeit vergeht. Im Südtiroler Unterland ist der Sommer eingezogen und hat die letzten Wochen viel Hitze mitgebracht. Meine liebste Jahreszeit ist nun voll da und ich freue mich des Lebens hier. Wenn ich morgens meine Runde walke – ja, ich liebe das Nordic Walking – die vielen Blüten sehe, mitten durch die Weinberge gehe und die Dörfer im Etschtal von oben betrachten kann, dann jubiliert meine Seele. Wirklich toll. Man trifft dann auch nette Leute und es geht sich immer wieder ein „Ratscherl“ aus. Auch einige wichtige Termine für die Schützen fanden statt: Fronleichnam und Herz Jesu! Was es damit auf sich hat und welche Bedeutung diese Feste für uns Katholiken in Tirol haben, möchte ich euch gerne erzählen.

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Andreas Hofer – unser „Ander“ und die Schützen

Bei uns Schützen gibt es immer wieder Gedenkfeiern und damit „Ausflüge“ in die Geschichte. Eine ganz besondere Begebenheit ist jedes Jahr das Andreas Hofer Gedenken. Es findet in allen Landesteilen statt. Der 20. Februar ist der Todestag von Andreas Hofer. Er wurde in Mantua hingerichtet. Was hat das mit mir zu tun? Tja, viel denke ich. Nicht nur äußerlich – immerhin trage ich Tracht – sondern und vor allem auch innerlich.

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Luxusartikel Zeit

Schon so viel Zeit ist seit meinem letzten Beitrag vergangen! Zeit ist ein Thema, besonders am Ende eines Jahres. Zeit zu leben, was bedeutet das eigentlich? Wie nützen wir sie richtig? Schließlich gibt es jeden Tag nur einmal. Ich weiß, dass diese Zeit des Schreibens, die ich gerade mit euch in Gedanken verbringe, einzigartig ist. Diese Momente kommen nie wieder, sobald sie vorüber sind. Schon ein bisschen unheimlich, finde ich! Ich verbringe Zeit mit meinen Lieben, besonders in der Weihnachtszeit. Was ich dabei empfinde und erlebe, das möchte ich gerne mit euch teilen.

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