Erntedank

Der Sommer ist vorbei, die Ernte ist so gut wie eingebracht und das Wetter lädt uns ein, wieder einmal innezuhalten. Es ist aber auch die Zeit, in der wieder vermehrt die Ausrückungen der Schützen beginnen. Eines der ersten großen Ereignisse ist der Erntedank-Sonntag. Es ist Brauch, dass wir Gott „Danke“ sagen für die Früchte der Erde und für die schöne Sommerzeit. Die Zeit vergeht so schnell und ich bin schon wieder erstaunt, dass ich schon sooooo lange nichts mehr gebloggt habe. Aber ich halte es mehr mit der Qualität, statt der Quantität.

Welche Gedanken bei mir zu Erntedank zwangsläufig auftauchen, möchte ich euch gerne erzählen.

Zuerst das Schöne und Helle:

die Tracht nach einiger Zeit wieder anzuziehen ist immer wieder ein Erlebnis. Irgendwie habe ich dann immer das Gefühl, dass ich sie vermisst habe. Allerdings immer erst im Moment, an dem ich sie mir anziehe. Es ist eine spezielle Beziehung, die ich zu meiner Tracht aufgebaut habe. Sie ist einfach wunderschön. Auch wenn wir Frauen oft mit unserer Figur hadern (welche tut das nicht!?), habe ich mit der Tracht ein anderes Selbstvertrauen, da sie wirklich ein toller Schmuck ist und die Aufmerksamkeit auf ihr liegt und nicht so sehr auf meiner Figur. Zumindest sehe ich mich anders. Sie macht mich einfach irgendwie schöner! Kann natürlich am veränderten Selbstbewusstsein liegen.

Wir trafen uns mit unserer Partnerkompanie aus Innsbruck hier im Süden am Samstag, um miteinander zu törggelen. Wir veranstalten dann ein Freundschaftsschießen und am Abend essen wir gemeinsam. Natürlich dürfen da die gebratenen Kastanien nie fehlen. Ein Kamerad von uns ist da der Spezialist, der immer sehr gute „Keschtn“ besorgt und sie für uns brät.

Vor allem geht es aber um das gemütliche Beisammensein und den Austausch untereinander. Für mich ist dies auch immer ein schöner Einstieg in das „Schützenjahr“ – so habe ich es für mich genannt. Natürlich sind die Schützen das ganze Jahr über aktiv. Aber bei uns wird auch immer die Urlaubs- und Erntezeit berücksichtigt und wir sind nicht so oft unterwegs. Ab Erntedank geht es dann wieder los.

Erntedankprozession: unser Kamerad geht mit dem Kreuz voraus

Nach dem Törggelen ist am Sonntag dann Erntedank:

Nach der heiligen Messe in der Kirche gehen wir der Prozession voraus und wir sind da immer ganz stolz, dass das Kreuz einer unserer Kameraden trägt. Dieses Jahr war ein besonderes Jahr, weil unser Jungschütze nun im wahrsten Sinne des Wortes herausgewachsen ist und als vollwertiger Schütze angelobt wurde. Die Angelobung ist etwas Feierliches. Kurz, aber intensiv. Wir legen unsere Hand auf unsere Schützenfahne und sprechen den Eid nach, den uns der Hauptmann vorspricht. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Angelobung! Damit ihr euch etwas darunter vorstellen könnt, hier die Worte des Eides:

„Ich gelobe, die Grundsätze und Ideale des Tiroler Schützenwesens, Treue zum Väterglauben, Treue zu Volk und Heimat, Treue zum Tiroler Schützenbrauch, Ehrfurcht vor unseren ruhmreichen Vorfahren, jederzeit hochzuhalten und allezeit zu bewahren, sowie meine Pflichten in der Kompanie und im Südtiroler Schützenbund gewissenhaft zu erfüllen und jedem Kameraden brüderlich zu begegnen, so wahr mir Gott helfe.“

Angelobung unseres Neumitlgieds Lukas.

Ich erinnere mich noch, dass das Wort „brüderlich“ mir nicht so leicht über die Lippen kam, da ich ja kein Bruder bin und deshalb ja nicht weiß, wie man „brüderlich“ begegnet… Aber ich bin Mitlgied eines Traditionsvereins und diese Struktur ist natürlich noch patriarchaisch. Wer dies aber als „rechts“, mit der sehr negativen Konnotation vom Nationalsozialismus, bezeichnet, hat leider nichts von unseren Traditionen verstanden. Wohl auch nicht viel von unserem katholischen Glauben.

Hier könnte ich wieder einmal auf das ewigmühselignervigerechtslinks Verständnis, sprich schwarz-weiß Denken einiger eingehen. Aber das werde ich hier nicht machen, da es mir sowieso sinnlos erscheint. Wer die Schützen hier kennt, weiß wovon ich spreche. Wir sind einfach Menschen, die gerne an unsere Vorfahren denken, die ihre Arbeit unter schwersten Bedingungen verrichteten und ihre Hingabe an Gott bezeugten, durch regelmäßigen Gottesdienstbesuch und für die das Gebet im Alltag normal und selbstverständlich war.

So hat also unser inzwischen Großer den Eid abgelegt und wurde von uns mit einem dreifachen „Schützen Heil“ willkommen geheißen. Natürlich ist er schon lange dabei, aber eben als Jungschütze. Ich fand seine Entschlossenheit und Treue wirklich toll, da er ganz allein als Bub zu uns kam. In anderen Kompanien gibt es noch andere Jungschützen oder Jungmarketenderinnen. Bei uns leider nicht. Umso höher ist es zu schätzen, dass er durchgehalten hat bis zu diesem Tag.

Ein besonderer Gast war diesmal auch unser „Mini-Nachwuchs-Schütze“:

Der kleine Josef mit seinem stolzen Papa Andreas. Unsere Zukunft! Bild: Manuela Leitner

Erntedank also nicht nur wegen der Frucht der Erde, sondern auch für das Durchhaltevermögen, die Standfestigkeit und die Hingabe an eine Tradition, die in dieser Zeit wohl immer wichtiger wird. Dank auch von mir, dass ich hier in diesem wundervollen Land leben und arbeiten darf. Dass ich hier geliebt und geschätzt werde. Ein neues Leben im Südtiroler Unterland bekommen habe.

Josef und ich bei der Aufstellung. Ein schöner Augenblick! Bild: Manuela Leitner

So wünsche ich euch allen von Herzen einen schönen Herbst mit allem, was dazu gehört. Wie immer freue ich mich über eure Rückmeldungen, Hinweise und konstruktive Kritik.

Erntezeit

Leute, die Zeit fliegt nur so dahin. Ich weiß manchmal gar nicht, wieso sie so schnell vergeht!? Ich habe mir schon lange vorgenommen, wieder etwas zu schreiben und aus unerfindlichen Gründen, kam es dann doch wieder anders. Aber jetzt ist Erntezeit im Südtiroler Unterland und damit wird es wirklich Zeit wieder einen Beitrag zu veröffentlichen.

Ich sagte gerade heute zu meiner besseren Hälfte, dass wir hier wahrlich im Schlaraffenland wohnen. Die Umgebung ist immer schön, und das Klima und die fleißigen Hände bringen so wunderbare Früchte hervor. Es ist wirklich ein Wunder für mich jedes Jahr. Viele köstliche Apfelsorten, Weinsorten und so viele Obst- und Gemüsesorten, die man sich kaum vorstellen kann – all das wächst hier. Im Frühjahr bekamen wir ein Kürbispflänzchen geschenkt. Warum das etwas Besonderes ist, das möchte ich euch heute erzählen.

Ich mochte keine Kürbisse essen! Lange Jahre habe ich alle möglichen und unmöglichen Rezepte versucht, aber ich konnte das Ergebnis nie essen. Oder nur mühsam. Also habe ich gedacht, dass ich einfach keine Kürbisspeise mag. Punkt. So bin ich eben. Lange, mühevolle Versuche und das Ergebnis passt nicht, dann war’s das für mich. Vergeudung von Energie und kostbaren Rohstoffen für den Biomüll, das geht gar nicht.

Und dann bringt mein Schatz eine Kürbispflanze heim. Tja…ok. Soll sie halt mal wachsen. Wir werden schon jemanden finden, der Kürbis mag.

Und im Laufe des Sommers, da wuchs das Pflänzchen zuerst zu einer stattlichen Pflanze heran. Dann wuchs sie weiter und wuchs, und wuchs und wuchs. Sie fing an zu wuchern. Sie nahm nicht nur ihren vorgesehenen Platz ein, sondern sie eroberte des Nachbarn Terrasse ebenso, wie unseren Holzschupfen. Mit ihren Ranken suchte sie sich auch den Weg auf den Rasen, was ich regelmäßig bekämpfen musste, sonst wäre unser Rasen auch dahin. Insgesamt haben wir direkt ein „Kürbisfeld“! Nun haben wir schon einige große Kürbisse geerntet und ich weiß inzwischen, dass es der begehrte „Butternut“ ist.

Und ich habs wieder versucht! Ich muss sagen, dass ich total überrascht war! Dieser Kürbis hat fast keinen Eigengeschmack und ist fantastisch zu verarbeiten. Ich habe sogar schon viele Rezepte probiert und bin wirklich begeistert! Wer hätte das gedacht, dass dieses kleine Pflänzchen nicht nur unseren Garten erobert, sondern auch meinen Gaumen und mein Herz! So kommt es oft anders, als man denkt.

Ehrlich Leute, das kann mir nur hier passieren. Ich weiß auch nicht warum das so ist, aber ich bin so verliebt in dieses Landl, dass ich alles probieren muss, was es mir schenkt. Ich spüre, dass auch ich offener und experimentierfreudiger werde. Ich bin gelassener und ruhiger, wenn ich hier bin. Als würde der liebe Gott ein besonderes Auge auf dieses Land haben. Dieses herrliche Klima und die wunderbaren Menschen hier, haben großen Einfluss auf mein persönliches Befinden. Hier habe ich zum ersten Mal einen Gipfel erklommen, wenn auch nur durch die einfache Tour, die mein Schatz aussuchte. Hier habe ich zum ersten Mal frische Feigen gegessen. Zum ersten Mal wurde ich so aufgenommen, als hätte man mich schon lange erwartet. Ich fühlte mich vom ersten Tag an hier im Südtiroler Unterland geliebt, geborgen und ja, daheim. Ein Zuhause, wie ich es noch nie hatte (bis auf die Bürokratie des Staates, echt – darauf könnte ich leicht verzichten!). Auch wenn ich damit vielleicht meine eigene Familie ein wenig verletzen könnte, kann ich nur das sagen, was ich erlebe, erfahre und fühle seit ich hier bin.

Ich beginne zu verstehen, warum dieser Teil der Erde so begehrt war in der Geschichte.

Die Geschichte natürlich ist ein Teil, der mir außerordentlich weh tut. Gerade zur Zeit gibt es viel Erinnerung hier. An die Abtrennung von Österreich nach dem 1. Weltkrieg, dann auch an die Option im 2. Weltkrieg und die unglaubliche Unterdrückung der österreichischen Minderheit wird erinnert. Es tut mir innerlich so weh, dass ich manchmal die Dokumentation im Fernsehen nicht mehr ansehen kann. Welches Leid hier noch immer im Unterbewusstsein und auch im Bewusstsein der Bevölkerung ist, das kann wohl kaum jemand von außen beurteilen. Aber ich fühle dies sehr oft und ich fühle mich selbst betroffen, obwohl ich natürlich nie direkt betroffen war. So wie Tirol zerbrochen wurde in vier Teile, so bricht mir jedesmal das Herz, wenn ich diese Geschichte höre, sehe oder sonst wahrnehme.

Ich erinnere mich noch gut an die Volksschule, als wir von den Katakombenschulen in Südtirol hörten. Da lernten wir zum ersten Mal, wie furchtbar es für die Kinder in Südtirol gewesen sein muss. Und wir hörten von der großen Liebe zur eigenen deutschen Muttersprache, dass Lehrpersonen sogar Leib und Leben riskierten, um sie den Kindern zu vermitteln. Wir lernten von einer unglaublichen Tapferkeit und großem Kampfgeist, um die eigene Sprache und Kultur nicht zu verlieren.

All das prägte dieses Land und vor allem die Menschen sehr. Darum kann ich heute sehr dankbar sein, dass ich in einer bestimmten kulturellen Unbekümmertheit aufwachsen durfte. Und zugleich sehr mitfühlend mit allen sein, denen das nicht vergönnt war. Im Herzen umarme ich die Menschen hier, sooft ich daran denke. Ich möchte sie halten und wiegen und ihnen sagen: „Danke, dass es dich gibt!“

Vielleicht ist dieser Blick auch notwendig für mich, um hier so glücklich zu sein. „Denn man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ So lehrt uns der berühmte französische Autor Antoine de Saint-Exupéry in der wunderschönen Geschichte „Der kleine Prinz“.

Insofern kann ich die vielen Neider – die es leider auch in Nord- und Osttirol gibt – nie verstehen. Denn sie haben alle keine Ahnung, was die Südtiroler opfern mussten, um dahin zu kommen, wo sie heute sind. Wie viel Anstrengung und Verbiegungen tagtäglich nötig waren und auch so viele Kämpfe, mit Opfern bis hin zum Leben waren unabdingbar, um diese Freiheit zu erringen. Eine Autonomie, die immer gefährdet wird und bis heute verteidigt werden muss. Wie man da noch neidisch sein kann, das bleibt mir einfach nur ein Rätsel. Oder ist es einfach nur Dummheit oder Unwissenheit?

Als einmal eine Landsmännin zu mir sagte, dass sie nicht will, dass die Auslandsösterreicher nicht mehr wählen dürfen, da war ich sprachlos. Schließlich bin ich auch eine! Es ging zuerst um die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler und schließlich landeten wir bei allen Österreichern, die länger als fünf Jahre im Ausland leben. Also wer so denkt, hat wohl Grundlegendes zur Staatsbürgerschaft nicht begriffen und ich musste dabei auch lernen, dass mit Menschen, die nicht dazu lernen wollen, sondern an ihrem Halb- oder Nichtwissen festhalten, kein Dialog im positiven Sinn möglich ist. Aber ich fing an mich fremdzuschämen für meine Mitbürger, die so denken. Aber das ist eine gaaaanz andere Geschichte und vielleicht erzähl ich euch diese ein ander Mal.

So bleibt mir heute nur noch euch eine herrliche Herbst-, Genießer-, Ernte- und Wohlfühlzeit zu wünschen. Im Herbst ist das Schöne immer und überall, ja sogar im Regen gibt es Schönes zu finden….

Wie immer freue ich mich auf eure Rückmeldungen, Anregungen und was euch sonst noch dazu einfällt!

Besuch

Diese Woche bekam ich lieben Besuch aus Deutschland: Annette hatte zufällig meinen Blog entdeckt und wollte mich treffen, da sie sich interessierte, nach Südtirol zu ziehen – eines Tages vielleicht.

Als ich mir so Gedanken machte, was ich Annette noch mitteilen könnte über das Leben hier, wurde mir bewusst, dass ich ja nie über die Wohnsituation in Südtirol nachdenken musste, da ich das Glück habe, bei meinem Schatz wohnen zu können.

Also in der Vorbereitung zu ihrem Besuch versuchte ich mich schlau zu machen, was aber leichter gesagt, als getan ist. Das einzige, das ich wirklich so auf die Schnelle herausfinden konnte, war nur, was man eh schon weiß: im Einzugsgebiet zu den Städten – Bozen, Brixen, Meran…. – sind die Wohnungen eher teuer. In manchen Tälern ist es da schon billiger. Aber da muss sich wohl jeder selbst intensiv damit auseinandersetzen, um ein klareres Bild zu bekommen.

Die Haderburg in Salurn war mein Ziel: es ist immer ein Erlebnis dort oben zu sein. Der Aufstieg ist nicht ganz so anstrengend und man wird mit einem herrlichen Ausblick auf das Unterland belohnt.

Blick nach Norden

Die Burg selbst hat eine Burgschenke und dort ist wirklich gut sein.

Burgschenke von oben
Annette und ich

Wir trafen uns am Parkplatz der Haderburg und waren uns sofort sympathisch. Wir machten gemeinsam den kurzen Aufstieg und anschließend aßen wir in der Burgschenke zu Mittag. Hier noch ein paar Eindrücke von der Burg:

Es war wirklich aufregend für mich, da Annette die erste Person ist, die ich über meinen Blog kennen gelernt habe. Wir verstanden uns so gut, dass wir beschlossen, in Kontakt zu bleiben.

Ich wünsche euch allen eine schöne Zeit und genießt den Sommer!