Auf zum Schwur Tirolerland…

Wie doch die Zeit vergeht. Im Südtiroler Unterland ist der Sommer eingezogen und hat die letzten Wochen viel Hitze mitgebracht. Meine liebste Jahreszeit ist nun voll da und ich freue mich des Lebens hier. Wenn ich morgens meine Runde walke – ja, ich liebe das Nordic Walking – die vielen Blüten sehe, mitten durch die Weinberge gehe und die Dörfer im Etschtal von oben betrachten kann, dann jubiliert meine Seele. Wirklich toll. Man trifft dann auch nette Leute und es geht sich immer wieder ein „Ratscherl“ aus. Auch einige wichtige Termine für die Schützen fanden statt: Fronleichnam und Herz Jesu! Was es damit auf sich hat und welche Bedeutung diese Feste für uns Katholiken in Tirol haben, möchte ich euch gerne erzählen.

Fronleichnam weiss fast niemand mehr, was das bedeutet. Dieses kirchliche Fest bezieht sich eigentlich auf den Gründonnerstag, der Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl. Doch die Verehrung des Allerheiligsten Sakramentes des Altares – was den Laib und das Blut Jesu darstellt – ist so groß geworden, dass diesem eine eigene Feierlichkeit gewidmet wurde. An diesem Tag wird die Hostie in einem speziellen Behältnis unter Begleitung eines Baldachins durch das Dorf getragen. Es wird an einigen Stellen gebetet und das Evangelium vorgetragen. Der Segen soll über das Dorf kommen, weil Jesus selbst durch die Gassen getragen wird. Gott selbst geht ja mit uns und darum glauben wir auch daran, dass ER uns seinen Schutz und Segen nicht verwehrten wird.

Ein Altar an der Dorfstraße, an der die Prozession an Fronleichnam vorbei führt.

Da wir diesmal eine frühere Marketenderin dabei haben durften – oh, das war echt toll – freute ich mich besonders, dass wir diesmal die Fahne begleiten durften. Sonst bin ich leider meist allein als Marketenderin dabei, aber ich gab und gebe die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann wieder eine zu uns dazu kommt.

Fronleichnamsprozession – der Weg ist mit Blumen geschmückt und das Kreuz, von einem Kameraden getragen, geht voran.

Ich hatte Kommuniondienst in der Kirche, welchen ich bei solchen Anlässen natürlich in Tracht versehe und das freut mich immer ganz besonders. Der Dienst am Altar in der Tracht, welche meine Identität darstellt. Da es im Glauben auch viel um Identität geht – wer bin ich als Christ? – ist dies für mich immer etwas unglaublich Berührendes:

Die „Marketender“ stellten die Versorgung der Kompanien in Kriegszeiten sicher und zogen mit den Kompanien mit. Ich darf beim Austeilen der Kommunion die Gläubigen mit dem Brot des Lebens versorgen. Das gefällt mir immer besonders.

Eines der höchsten Feste des Jahres für die Schützen stellt das Herz Jesu Fest dar:

1776 im Angesicht der drohenden Kriegsgefahr durch französische Truppen, beschlossen die Tiroler Landsstände sich Hilfe bei Gott zu holen. Man weihte das gesamte Land Tirol dem Herzen Jesu. Damals gehörte auch Südtirol und Welschtirol (heutiges Trentino) zu Tirol. Als 1809 Andreas Hofer siegreich aus der Schlacht auf dem Bergisel hervorging, wurde das Gelöbnis feierlich erneuert. Man versprach die besondere Verehrung des Herzens Jesu mit einer Messe und Prozession. Auch die Bergfeuer, oft mit Glaubensbildern dargestellt, stammt aus diesem Schwur oder Treueeid der Tiroler. Dieses Gelöbnis wurde nie zurückgenommen und wird daher bis in die heutige Zeit von den Tirolern gefeiert.

Herz Jesu Bild an einer Hausmauer für die Prozession.

Aus dieser Zeit stammt auch der Spruch oder Titel: „Das heilige Land Tirol“. Es waren beispielsweise an Karfreitag und Aschermittwoch Tanzabende verboten. Ich erinnere mich noch an meine jungen Jahren, wo dies sogar noch in den Discotheken eingehalten werden musste. Karfreitag war striktes Tanzverbot und die Musik war eher leise und verhalten, wohl um niemanden zum Tanzen zu annimieren.

Ich weiß natürlich nicht genau, ob das nur in Tirol verboten war, oder in ganz Österreich.

Nach der Messe und der Prozession machen wir uns dann auf in Richtung Berg. Dort treffen wir uns alle und auch liebe Besucher kommen vorbei, um die Feuerstelle vorzubereiten. Es ist eine Zeit des kameradschaftlichen Zusammenseins und des Feierns unserer Heimat in besonderer Weise.

Aussicht auf das Südtiroler Unterland von der Feuerstelle aus. Gegenüber liegt die Madrutwand: ein signifikanter Berg im Unterland.
Holzstapel ist fertig und Kamerad Andreas genießt die höhere Position. Foto: Lukas Peer

Nach dem Aufschichten des Holzes gehen wir wieder zurück zu einer Hütte, die uns die Besitzer dankenswerterweise zur Verfügung stellen. Dort hat die Besitzerin bereits Nudeln mit Sugo (hier sagen sie oft „Ragout“ dazu) vorbereitet, was immer sehr köstlich schmeckt. Später am Abend, kurz bevor es richtig dunkel wird, gehen wir wieder zur Feuerstelle und dort wird das Feuer entzündet zum Entzücken aller. Immer mit dabei sind zwei Leute von der Freiwilligen Feuerwehr mit einem Tank voll Wasser, um sicherzustellen, dass nichts passiert. Auch hier müssen wir sehr dankbar sein, denn das ist alles nicht selbstverständlich!

Herz Jesu Feuer! Die Flammen werden einige Meter hoch und sind vom Tal aus gut sichtbar!

Heuer hatten die Schützen noch eine Überraschung auf dem Plan: es wurden drei Rauchbomben in Rot-Weiß-Rot gezündet, noch am Tag – genau um 18:09 Uhr, als Erinnerung an 1809 der siegreichen Schlacht am Bergisel und als Verbundenheit mit unserem Vaterland Österreich.

Besonderheit 2019: Rot-Weiß-Rot – Verbundenheit mit unserem Vaterland Österreich

Hier muss ich noch daran erinnern, dass Südtirol eine österreichische Minderheit in Italien ist und hier eine ethnische (also sprachlich-kulturelle) Autonomie existiert. Aus Enttäuschung über das Zerwürfnis der Österreichischen Bundesregierung und damit mit der Versenkung des Angebots der doppelten Staatsbürgerschaft für die Südtiroler, wollte der Südtiroler Schützenbund ein landesweites Zeichen setzen mit diesen Rauchbomben.

Die Herz Jesu Fahne darf auf dem Berg auch nicht fehlen!

Es ist immer ein ganz besonderes Ereignis und ich freue mich jedes Jahr darauf, obwohl wir abends immer spät heimkommen und der Tag insgesamt doch recht lange ist!

So wünsche ich euch allen einen großen Segen für den Sommer, damit ihr ihn alle genießen könnt!

Wie immer freue ich mich auf eure Rückmeldungen, Kritik oder Anmerkungen zum Thema. Bis bald!

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