Luxusartikel Zeit

Schon so viel Zeit ist seit meinem letzten Beitrag vergangen! Zeit ist ein Thema, besonders am Ende eines Jahres. Zeit zu leben, was bedeutet das eigentlich? Wie nützen wir sie richtig? Schließlich gibt es jeden Tag nur einmal. Ich weiß, dass diese Zeit des Schreibens, die ich gerade mit euch in Gedanken verbringe, einzigartig ist. Diese Momente kommen nie wieder, sobald sie vorüber sind. Schon ein bisschen unheimlich, finde ich! Ich verbringe Zeit mit meinen Lieben, besonders in der Weihnachtszeit. Was ich dabei empfinde und erlebe, das möchte ich gerne mit euch teilen.

Wir gedenken in unserem Dörfchen in Südtirol am Heiligabend den Verstorbenen und ich darf mit den Schützen die Andacht am Friedhof gestalten. Es ist immer auch eine Vorbereitung, die mir gut tut, denn sie zeigt mir die Endlichkeit des Lebens auf! Wir erinnern uns an Menschen, die wir geliebt haben und die nun in der Ewigkeit sind. Auch sie hatten Hoffnungen, Zweifel und Wünsche. Für die einen ist das Leben viel zu früh vorbei gewesen, für die anderen war es vielleicht genau der richtige Zeitpunkt zu gehen. Dieses Gedenken fordert mich heraus. Aber ich denke auch immer dabei an den EINEN, der unsere Zeit in Seinen Händen hält. ER, der alles lenkt und leitet, was wir oft gar nicht bemerken. Gott ist immer dabei – in meinen Gedanken, bei der Vorbereitung auf Weihnachten und besonders zum Jahreswechsel.

Nach der Andacht im Friedhof gehts nach Hause und dort haben schon die Verwandten meines Schatzes alles vorbereitet für die Bescherung. Es wurde bereits gekocht und wir haben das Privileg, dass wir uns einfach dazugesellen und genießen dürfen. Die Enkelkinder sind auch da und das macht Weihnachten immer ganz besonders: Kinderaugen und der Christbaum! Was kann es Schöneres geben? So feiern wir mit den Kindern und Enkelkindern von meinem Schatz den Heiligen Abend. Leider hat mich heuer die Grippe erwischt und damit konnte ich nicht den ganzen Abend durchhalten.

Nach dem Heiligabend gönnten wir uns heuer eine kleine Wellness-Auszeit im Pustertal. Es war ein Geschenk unserer Kinder – ich sehe seine Kinder bereits als meine Kinder an – und diesen Gutschein mussten wir heuer noch einlösen! Das hat den Vorteil, dass man sich die Zeit nehmen muss! Trotz Grippesymptomen genoß ich die angenehme Atmosphäre und auch das Dampfbad und die Massagen waren herrlich.

Nach den zwei Tagen gings weiter nach Hause in Nordtirol! Heuer feierten wir etwas verspätet mit meinem Sohn und seiner Frau. Dies war ein Highlight des Jahres 2018: die Hochzeit meines Sohnes! Es war für mich das Schönste, was sich eine Mutter wünschen kann! Er sah sooooo glücklich aus und ich freute mich wahnsinnig für ihn. Sie sind ja schon lange ein Paar, aber an diesem Abend sah ich die Liebe in ihren Augen, wenn sie sich ansahen. Es ist wirklich etwas ganz besonderes, wenn sich zwei Menschen so lieben, dass sie für immer zusammen bleiben möchten und dies in aller Öffentlichkeit bekunden.

Also wir feierten etwas später als sonst im Jahr gemeinsam Weihnachten. Da koche ich immer aufwändiger als sonst und wir genießen einfach die Zeit zusammen. Sie erzählten uns von ihrer tollen Hochzeitsreise und ich begann zu verstehen, welches Privileg wir Menschen besitzen, indem wir die Vorstellungsgabe bekommen haben. Sie erzählten so begeistert, dass ich fast das Gefühl hatte, ich war dabei. Natürlich zeigten sie uns auch Fotos, die das Ganze unterstützten. Aber trotzdem erkannte ich deutlich, welch Geschenk es ist, dass wir uns durch Worte etwas vorstellen können. Worte, die an und für sich abstrakt sind, können in unserem Kopf einen Film ablaufen lassen. Speziell, wenn wir die Erzählenden gut kennen. Als könnte ich die Empfindungen, die sie hatten, beinahe anfassen. So nah und greifbar wurde es für mich.

Ich durfte also an ihrem Erlebten teilhaben! Darum „teilen“ wir uns etwas mit. Wir geben unserem Gegenüber die Gelegenheit an unserem Leben teilzuhaben. Je intensiver das Erlebte geschildert wird, desto tiefer dürfen wir eintauchen – wir, die wir ganz unbeteiligt waren! Zuerst aber müssen wir Zeit haben. Wir müssen uns die Zeit nehmen! Die Gegenwart ist so hektisch geworden, dass es manchen Menschen schon schwerfällt, einer Erzählung zu folgen. Ein bisschen Konzentrationsvermögen setzt das Eintauchen in eine andere Erlebenswelt voraus. Wer zu sehr mit sich und seinem Stress beschäftigt ist, kann wohl kaum tief eintauchen und schwimmt an der Oberfläche mit. Der Erzählende würde das aber bemerken und dann eher nicht in die Tiefe gehen, will heißen: auch die Erzählung bleibt an der Oberfläche hängen.

So bin ich also ein glücklicher Mensch, dass ich die Vorstellungsgabe habe und mich konzentrieren kann auf die Worte meines Gegenübers. Ich habe das Glück, dass ich geliebte Menschen um mich habe, die mich sehr gerne in ihr Leben eintauchen lassen möchten. Die mir mit aller Intensität das Erlebte schildern und mir so eine große Tür zu ihrem Inneren öffnen. Das setzt Vertrauen voraus. Es ist ein Geschenk, dass wir von so viel Vertrauen und Liebe umgeben sein dürfen. DAS wurde mir bewusst!

Offenheit in einer Schilderung setzt also Aufmerksamkeit des Gegenübers voraus. Und die Grundlage dafür ist die Zeit. Zeit sich einzulassen. Das Ego für kurze Zeit loszulassen. Nur so kann ich folgen. In die Tiefe. Diese Erzählung war ein schönes Erleben, das es uns leicht macht mitzugehen. Aber wie ist es, wenn die Schilderung nicht schön ist? Wenn das Erlebte hart und schwer ist? Ziehen wir uns dann zurück? Oder schaffen wir es, dass wir auch in die dunkle Tiefe mitgehen? Das ist wohl viel schwieriger und mühsamer. Und dadurch ziehen sich viele Menschen schnell zurück. Das wollen wir nicht mitempfinden. Da wollen wir keine Tiefe! Dabei stellt das eine einzigartige Gelegenheit dar, dass Vertrauen wächst und wir uns auch mit den Schatten der Welt auseinandersetzen können.

Ich hoffe, dass wir alle nur wenige dunkle Stunden erleben müssen und wenn, dass wir alle einen geliebten Menschen haben, der mit uns in die Tiefe gehen will. Der keine Angst vor den Schatten in unseren Seelen hat und mit uns dort verweilt. Bis die Schatten schwinden und das Licht der Liebe dort Einzug halten kann. Das wünsche ich jedem Einzelnen auf der Welt. Dann können wir uns getragen und geliebt fühlen. Dann können wir in die Tiefe gehen und uns im geliebten Menschen ein bisschen verlieren. Es wird uns nur helfen und frei machen.

So wünsche ich uns allen einen nicht allzu ruhigen Jahreswechsel, aber einen, an dem wir die dunklen Stunden hinter uns lassen und uns freuen auf alles Neue, was das Jahr 2019 bereit hält. Nehmt euch die Zeit dafür und genießt jeden Moment, denn diese Momente kommen nie wieder!

 

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