Sprachlos mit Schreibblockade

Zuerst möchte ich euch sagen, dass es uns allen gut geht. Kein Virus. Wir sind alle gesund. Was mich aber in letzter Zeit sehr beschäftigte, war diese Überflutung von Informationen zum Virus und darüber hinaus. Die Informationen waren manches Mal diametral entgegengesetzt als zu Beginn der Krise. Die Nachrichten über das Denunziantentum machte mich wahrhaftig vollkommen sprachlos. Wie ist das möglich? Die Angst in so manchem Gesicht, wenn man sich begegnete und das „Mit-dem-Finger-auf-andere-zeigen“ war nicht zu übersehen. Ich war manchmal wirklich erschrocken, dass sich Menschen mehr Gedanken um andere (im negativen Sinn) machten, als um sich selbst. „Die halten den Abstand aber auch nicht ein, gell!“ „Die Jugendlichen, schau mal, jetzt geben sie sogar die Maske runter!“ „Eine Frechheit, dass diese Frau keine Maske trägt!“ „Rücksichtslose Egoisten, die sich nicht an die Regeln halten!“ (Als ein Paar händchenhaltend vorüberschlendert!)

Ich war jetzt wirklich nicht so viel unterwegs, aber so hatte ich auch gar keine Lust dazu. Wir werden nicht nur vom Staat überwacht. Zumindest nicht nur von den staatlichen Organen. Ehrlich, DAS macht mich sprachlos. Ich bin sonst nicht auf den Mund gefallen, aber in diesen Situationen war ich einfach nur perplex. Mir wären diese Menschen nie aufgefallen, da ich davon ausgehe, dass die Leute schon selbst wissen, was für sie gut ist. Wir wissen ja auch nicht, warum jemand eine Maske nicht trägt. Das muss nicht sofort heißen, dass sie das einfach aus Trotz nicht tun. Vielleicht sind sie davon aus gesundheitlichen Gründen ausgenommen.

Eine friedliche Demonstration wird vom eigenen grünen Bürgermeister verurteilt und öffentlich durch die Medien an den Pranger gestellt, da sie anscheinend nicht richtig angemeldet wurde bei der Gemeinde. Nach der Gegendarstellung der Veranstalter kommt aber ans Licht, dass man vorher den Bürgermeister fragte, was zu tun sei. Dieser habe ihnen gesagt, dass ein „Treffen“ nicht bei der Gemeinde, sondern nur von der Quästur genehmigt werden müsste.

Ein Bürgermeister, der wohl nur dem Anschein nach die grünen Interessen vertritt. Ich hörte jedenfalls noch nie, dass die Grünen gegen Demonstrationen sind. Aber vor allem finde ich es schlimm, dass man vorher mit dem Bürgermeister offenbar gesprochen hat und alles getan hat, was dieser empfahl. Danach fällt er einfachen Bürgern in den Rücken und zwar sehr medienwirksam. Unfassbar!

Die Berichte von Senioren im Pflegeheim und Seniorenzentren, die an Einsamkeit halb sterben und auch diejenigen, die einsam sterben mussten, wegen der Pandemie machte mich tief betroffen. Was mich schon von Anfang an ärgerte, war die Untätigkeit der Kirche. Es wurde einfach ohne wenn und aber alles hingenommen. Keine Gottesdienste mehr. OK. Das wäre ja noch gegangen. Aber, von der Kirchenführung hätte ich mir schon mehr Einsatz für die Senioren gewünscht. Wenigstens ein Versuch, dass zumindest ein Verwandter auf Besuch kommen könnte. Natürlich mit allen Vorsichtsmaßnahmen, die nötig sind. So manches Haus hatte sogar aus Mitleid zugelassen, dass ein Sterbender wenigstens einen Angehörigen dabei haben konnte.

Aber ehrlich: muss das sein? Haben die Gesetzgeber und die Kirche es nicht geschafft, ein kleines bisschen Mitleid mit unseren alten Menschen aufzubringen? Muss es zu Übertretungen kommen, weil in den Verordnungen einfach drauf vergessen wird oder es wichtiger ist die Alten zu schützen? Vor wem denn?

Nach diesen ganzen Vorfällen würde ich mich lieber selber umbringen, als in ein Heim zu gehen, wenn ich betagt bin. Den ganzen Tag allein in einem Zimmer sitzen zu müssen, nur zu den Mahlzeiten vom Personal besucht zu werden, das wäre für mich Folter. Natürlich sind nicht alle Heime gleich. Und bitte versteht mich nicht falsch, ich bin überzeugt, dass das Personal alles Menschenmögliche getan hat, um für die Bewohner das Beste zu tun. Aber wir wissen ja schon lange, dass es zu wenige Pflegekräfte gibt und diese hatten sicher mehr Stress mit den ganzen Vorschriften als sonst schon. Sie sind halt auch keine Wunderwutzis. Ausserdem weiss jeder, dass ein naher Verwandter niemals durch das Personal ersetzbar ist.

Mich bewegte daher in letzter Zeit sehr viel die Würde des Menschen. Würde. Diese wird uns im Grundgesetz garantiert. Garantiert? Mhm… naja, viel Garantie war da wohl nicht mehr. Denn der Umgang mit unserer älteren Generation zeigte in der Krise ein ganz anderes Bild. Natürlich hätte man so oder so Einschränkungen hinnehmen müssen. Aber dieses Ausmaß kann ich nicht mehr nachvollziehen.

Ob wir jemals erfahren werden, wie viele Todesfälle als Kollateralschaden des übertriebenen Lockdowns zu zählen sind, wage ich zu bezweifeln. Aber ich bin überzeugt, dass es weit mehr sein werden, als die durch den oder mit dem Virus Verstorbenen.

Die Würde des Menschen. Recht auf Familie. Recht auf Meinungsfreiheit. Recht auf den Schutz der Unversehrtheit der Gesundheit (diese beinhaltet aber auch die psychische und nicht nur die physische Gesundheit!). Vor allem aber die Würde des Menschen. In Würde alt werden. In Würde sterben.

All das machte mich sprachlos und sehr traurig. Und das bin ich normalerweise nie. Nein, Angst hatte ich nie. Nicht vor dem Virus. Respekt habe ich vor dieser Krankheit, aber keine Angst. Ich will niemanden überwachen oder kritisieren, was die Regeln betrifft. Ich will mich unterhalten – ohne Angst bei meinem Gegenüber auszulösen. Ich möchte in Gott so sehr vertrauen, dass ich auch ohne Maske in den Gottesdienst gehen kann. Mit Anstand und Abstand. All das möchte ich.

Es wird noch geraume Zeit dauern, bis ich all dies verarbeitet habe und die Welt wieder einordnen kann. Derzeit sehe ich nur, dass es keinen Krieg braucht, um die Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Eine unkritische Medienlandschaft mit einem tägliche Bombardement von Schreckensmeldungen genügt vollauf. In kürzester Zeit sind wir alle verunsichert und erschreckt. Vor dem Virus hatte ich nie Angst. Aber vor den Repressalien, die durch die Ordnungskräfte drohten. Davor habe ich Angst. Vielleicht muss ich diese Angst erst mal begutachten und beurteilen. Denn vor der Krise hatte ich nie Angst vor der Exekutive. Jetzt schon. Ja, und DAS gefällt mir gar nicht.

Nun aber etwas Positives zum Schluss: die Online Angebote der verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften waren unglaublich bereichernd für mich. Eine wirklich neue und sehr schöne Erfahrung. Wenigstens wurden die Abneigungen der verschiedenen christlichen Kofessionen untereinander weniger. So klein wurden sie, dass ein „Deutschland / Österreich betet gemeinsam“ herauskam. DAS ihr Lieben grenzt für mich nicht nur an ein Wunder, nein: Es ist ein Wunder!

So wünsche ich euch eine be-geist-erte Pfingsterfahrung, welche hoffentlich noch lange andauert. Bleibt gesund und werdet aktiv. Es kommt eine neue Ära. Lassen wir uns darauf ein.

Am Schluss betone ich extra noch einmal, dass ich keine Pflegekräfte kritisieren will und auch niemanden, der sich in den Kirchen engagiert. Ich spreche hier von der katholischen KirchenFÜHRUNG und der Regierenden! Alle anderen sehe ich als unglaublich wichtige und liebende Menschen, die ihr Bestes geben.

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