Angriff ohne Fläche

Ich dachte schon, dass ich auf meinen letzten Eintrag keine Reaktion erhalten würde, da das Thema ja schon breit und vielfältig medial aufbereitet wurde („Schneechaos“). Dann kam doch aus einer vollkommen überraschenden Ecke eine Reaktion! Ich muss gerade wieder laut lachen, wenn ich daran denke. Es war eine vernichtende Kritik! Ich sei vollkommen ahnungslos, was die Südtiroler Geschichte, Mentalität und politische Situation betrifft. Der dahinter stehende Wunsch war beinahe greifbar: es sollte mir richtig schlecht ergehen in Südtirol. Warum wünscht mir das jemand? „Oh mei, dr Neid isch a Hund!“, hat schon mein Vater gerne gesagt. Was macht das mit mir, wenn jemand so mit mir umgeht? Diese Gedanken dazu möchte ich gerne mit euch teilen.

Auf diese vernichtende Kritik ist schnell geantwortet: Stimmt! Ich weiß zu wenig von unserer Heimatgeschichte und ja, ich weiß nichts von der Mentalität, denn diese kann man nur mit dem Herzen spüren. Was die politische Situation betrifft, gehts mir so, als würde ich in einem chinesischen Dorf stehen. Ja, auch da weiß ich noch viel zu wenig. Aber ich habe nie etwas anderes behauptet. Und ich halte es schon ganz gern auch mit Sokrates – nachzulesen bei Wikipedia:

In Platons Apologie thematisiert Sokrates an fünf Stellen ausdrücklich sein Nichtwissen oder seinen Mangel an Weisheit. Er behauptet aber nicht, wie Ciceros ungenaue lateinische Wiedergabe[1] seiner Auffassung annehmen lässt, dass die Kenntnis seiner eigenen Unwissenheit ein echtes, gesichertes Wissen sei und damit die einzige Ausnahme von der Unwissenheit darstelle. Vielmehr besagen die Äußerungen des Sokrates nach Platons griechischem Text nur, dass er sich des Umstands bewusst sei, dass ihm Weisheit oder ein wirkliches, über jeden Zweifel erhabenes Wissen fehle. Zudem geht es dem platonischen Sokrates nicht um technisches Fachwissen, sondern um Bestimmungen im Bereich der Tugenden und die Frage nach dem Guten.[2] Was ist Besonnenheit? Was ist Tapferkeit? Was ist Frömmigkeit? Was ist Gerechtigkeit? Die wahre menschliche Weisheit ist es, sich des Nichtwissens im Wissenmüssen des Guten bewusst zu sein.[3] Wie der historische Sokrates sein Nichtwissen und die prinzipielle Möglichkeit oder Unmöglichkeit menschlichen Wissensbesitzes beurteilt hat, ist in der altertumswissenschaftlichen Forschung umstritten.[4]

Aus Wikipedia: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Natürlich war ich zuerst mal schon seltsam angerührt. Ich mag zwei Dinge nicht so gern: Dummheit und Ignoranz. Wenn nun jemand, der von meinem Leben so gut wie null Ahnung hat, mich in einer vernichtenden Weise zu kritisieren sucht, dann macht das schon etwas mit mir. Zuerst. Doch sofort kommt die Frage: Welche Motivation steht dahinter? Was muss diesen armen Menschen bewegen, dass er so um sich schlägt, dass er auf persönliche Ebene geht und versucht den Frust abzuladen?

Da ich diese Person auch nicht wirklich kenne, kann ich diese Fragen natürlich nicht beantworten. Aber es geht mir mehr um die Reflexion, wie ich damit umgegangen bin. Nach dem ersten zornigen Angerührtsein, folgte wie gesagt eine Art Fragestunde in meinem Kopf. Kurzes Nachdenken, ob ich etwas getan oder gesagt haben könnte, was dies rechtfertigt. Dann ein Telefonat mit einem Freund und zu guter Letzt kehrte wieder Ruhe und Frieden ein.

Eine wichtige Frage in der Fragestunde: Welche Rolle spielt diese Person in meinem Leben? Antwort: gar keine! Grundsätzlich ist Kritik für mich in Ordnung. Aber bitte konstruktive Kritik. Wenn kritisiert wird, um den anderen niederzumachen, dann ist es destruktive Kritik. Davon kann ich ausgehen, wenn der Wortlaut schon mit der Drohung des „Scheiterns“ einher geht. Ok. eine versteckte Drohung: „…ich hoffe Sie scheitern nicht…“

Ich denke eher, dass die Hoffnung in die andere Richtung geht. Deshalb ist destruktive Kritik so schlimm. Sie will etwas zerstören. Da ich aber hier immer wieder betone, dass ich eben tatsächlich wenig weiß – bin ja noch nicht lange hier – freue ich mich, wenn nach der Kritik („XY war rein faktisch nicht korrekt, denn XY ist XX“) der Hinweis auf die tatsächlichen Fakten kommt. Das ist konstruktiv und ich kann sehr viel lernen.

Wie werde ich nach außen reagieren? Werde ich auf diese Person reagieren? Nein. Destruktive Kritik ohne Grundlage ist ignorant und daher wird das von mir genauso beantwortet: ich ignoriere sie. Personen, die destruktive Kritik üben – davon gibt es leider nicht wenige – sollte man ignorieren, so gut es geht. Denn alles andere wäre Vergeudung von Energie und Zeit. Diese Personen möchten keinen Dialog, sondern sie leben meist in einem Monolog. Oft sind es sehr einsame Menschen, da andere Menschen diese Art des Umgangs nicht ertragen können.

Ich habe lange Zeit im Sozialbereich gearbeitet und daher weiß ich das. Ich weiß auch, dass es nur sehr bedingt möglich ist, diese Personen emotional zu erreichen, da sie fast ausschließlich mit sich selbst beschäftigt sind. Dies kann verschiedenste Ursachen haben. Jedenfalls Ursachen, die nie aufgearbeitet wurden. Sie sind wahrlich schon gestraft genug. Daher wird es auf solche Art von Angriff nie eine Antwort von mir geben, außer ich bin durch äußere Umstände dazu gezwungen.

Ein Angriff also ohne Fläche. Dann geht er ins Leere.

Mein Sohn hat früher Judo trainiert und einmal hat er – damals ca. 12 Jahre alt – mir die Grundlage von Judo erklärt: wenn jemand dich schlagen will, dann musst du nur ausweichen und quasi den Schlag durch geschicktes Ziehen verstärken… oder so ähnlich. Ist schon eine Weile her! Aber ich konnte mir das gut vorstellen! Der Versuch zu schlagen braucht eine Menge Energie und wenn der Schlag nicht trifft, ist das schon ein Problem, weil dies nicht „berechnet“ wurde – man wollte ja treffen! Aber sollte dann noch jemand den Arm packen und diese Energie durch heftigen Zug noch verstärken, dann landet man unweigerlich am Boden. Tatsächlich war also der Versuch, den anderen zu schlagen die Ursache für die Bruchlandung. Ich will damit sagen, dass destruktive Kritik und Verhaltensweisen am besten ignoriert, zumindest wenig beachtet werden sollten, um sich selbst den inneren Frieden zu bewahren.

Also ich wünsche euch eine schöne Zeit und lasst euch nicht runter machen! Das Leben ist so schön, dass jede Minute mit negativer Energie verbracht, reine Vergeudung wäre.

Wie immer freue ich mich über eure Rückmeldungen, konstruktive (!) Kritik und eure Meinung zum Thema. Oder auch zu einem anderen….



4 Kommentare zu „Angriff ohne Fläche

  1. Hallo Michaela!
    Ich bereite gerade die familienmesse für den 24. Februar vor und da gehts im Lk 6, 27-38 genau um diese Thematik „Feindeslie be“ : ihr sollt eure Feinde lieben. Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, halte ihm die linke hin….kennst du eh… nur nicht unterkriegen lassen. Wenn Zeit hast bist eingeladen. LG Reini

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    1. Naja, bin nicht so für die andere Wange hinhalten! Das ist wohl etwas für sehr fortgeschrittene Heilige. Aber das Bemühen den anderen nicht zu hassen bzw. selbst den inneren Frieden zu bewahren, das ist wohl die Grundlage für die weiteren „Wangen“…. Daran arbeite ich ständig. Danke für die Einladung. Vielleicht raffe ich mich mal auf dazu. Weißt ja, wie ich eingeteilt bin! Danke für deinen lieben Kommentar, Reini!

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  2. Ich freu mich für dich, dass du nach Südtirol ziehen konntest. Das ist meine absolute Traumgegend…ich fahre seit meiner Kindheit jedes Jahr dahin (Schenna), habe inzwischen auch Freunde dort und würde so gerne irgendwann dort hin ziehen können. Aber im Moment schaut es leider noch nicht danach aus.
    Auf jeden Fall – du lebst im schönsten Land der Welt!!
    Scheizz auf die Leute, die dir Schlechtes wünschen!

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