Corona und Folgen

Es geht uns gut. Nein, wir sind noch alle gesund. Hier in Südtirol. In Italien. Ich weiß, dass es schockierend ist, wenn über 900 Menschen an einem Tag gestorben sind. Aber es geht uns gut. Ich habe hier alles, was ich brauche und liebe. Schön, nun stellt so Mancher fest, es ist nicht selbstverständlich, dass wir am Leben sind. Ich wusste das schon lange. Es kann so schnell gehen, dass jemand geht. Offenbar ist es manchen Menschen plötzlich in den Sinn gekommen, dass ich auch noch existiere. Seltsam. Da versuchte man über Jahre eine gewissen Verbindung zu behalten und stellt fest, dass das niemanden interessiert. Dann schließe ich ab. OK. Ich habe dann verstanden. Bin nicht der Mensch, der sich einem anderen aufdrängt. Du schaffst das nach einiger Zeit schon, dass ich verstehe, dass ich dir vollkommen am A… vorbei gehe. Also gecheckt. Es war für mich ok. Hatte vielleicht eine andere Vorstellung von Familie, wie andere Menschen, aber ich kann auch sehr viel akzeptieren.

Dann kommt Corona. Alles beim Alten zuerst. Und auf einmal kommt der Anruf. Ich dachte zuerst, dass jetzt jemand gestorben sein muss, denn wieso sollte er mich sonst anrufen? Wow. Niemand ist gestorben. Offenbar hat er sich Sorgen gemacht, weil so viele in Italien gestorben sind. Echt jetzt?! Zuerst behandelt man mich wie ein A… mit Ohren und dann das? Gehts noch? Man ich kann euch echt sagen, dass mich das richtig „anzipft“, wie wir Tiroler gerne sagen. Mein Gegenüber bemüht sich nach allen Regeln der Kunst, mich loszuwerden und schließlich akzeptiere ich das. Oft schweren Herzens. Oft mit Sorgen im Herz. Aber ich habe gelernt loszulassen. Loslassen, was mich kränkt. Loslassen, was mich belastet. Loslassen, was nicht zu halten ist.

Ich wurde dabei sicher nicht nur einmal zutiefst verletzt, sondern öfter, um nicht zu sagen, sehr oft. Da ich ein unglaublich loyaler Mensch bin. Dann hast du es endlich geschafft und bist mich los. Und jetzt auf einmal…. so tun, als wäre nie etwas gewesen. Echt, das kotzt mich an. Halt die Füße still und bleib aus meinem Leben draußen. Wolltest es ja so. Also, lass mich in Ruhe. Aber das sagte ich natürlich nicht, weil ich feige bin. Zu feige, das zu sagen, was ich mir denke. Oder einfach viel zu irritiert, ob dieses plötzlichen Sinneswandels. Was macht man mit solch einer Situation?

Ach ja, einfach loslassen. Ich denke, dass das sowieso nur eine Eintagsfliege war und ein seltsamer Anflug von Sentimentalität…. Ich habe bereits losgelassen und ich nehms nicht wieder auf, was ich losgelassen habe. Nicht so schnell und nicht so einfach. So siehts aus.

Mir fällt nicht die Decke auf den Kopf, obwohl ich schon drei Wochen durchgehend zuhause bin. Ich genieße die Zweisamkeit. Ja, ich bin echt so glücklich mit meinem Schatz, dass wir uns nur wundern können, wie andere damit ein Problem haben können. Wir sind glücklich und zufrieden. Wir achten aufeinander und halten uns fest. Dieser Mann hat hart arbeiten müssen, dass er mir so nahe sein darf. Und er hat es geschafft. Ich hab so ein Glück mit diesem wunderbaren Menschen an meiner Seite. Deshalb ist alles nicht so schlimm. Durch seine Liebe, die mich jeden Tag, jede Stunde und jede Minute trägt, ist alles andere unwichtig. Diese Liebe ist so wundervoll und besonders, dass ich Gott nur auf Knien danken kann. So etwas ist wie ein Lottosechser.

Ja, und er weiß, dass ich auch loslassen kann. Er sieht mich nicht als Selbstverständlichkeit. Er sieht mich als ein Schatz. Er behütet mich wie eine Kostbarkeit. So soll es sein. Ich versuche dasselbe für ihn zu tun. Wir spüren beide, was der andere braucht. So eine Beziehung ist wunderbar einfach. Eine Kraftquelle. So konnte ich wohl beide Extreme in meinem Leben kennenlernen: eine Beziehung, die zerstörerisch und grausam ist und eine, die das vollkommene Gegenteil ist. Wer kann das von sich behaupten? Auch dafür bin ich dankbar. Für jede Erfahrung und sei sie noch so schwierig gewesen: ich bin dankbar dafür. Denn dadurch bin zu der Frau geworden, die ich heute bin.

Hoffe, dass es euch allen gut geht und ihr alle gesund bleibt. Achtet auf einander und baut einander auf und bitte nicht ab… Wünsche euch trotz Corona einen tollen Frühling, der jetzt mit aller Macht kommt. Wenigstens einer, der alle seine Farben überall zeigen kann…

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