Gerade(her)aus

Ich war von den Reaktionen auf meinen letzten Beitrag überwältigt. Offenbar trifft die Feststellung, dass wir alle ganz schnell in einer Schublade landen können, über die wir nicht einmal im Entferntesten nachgedacht hatten, auf viele Menschen zu. Es scheint ein Stil der Zeit zu sein, dass man alles über einen Kamm schert, das Kind mit dem Bad ausschütten will, alles und jeden katalogisieren will – um es mal mit ein paar bildlich-schönen Redewendungen zu veranschaulichen – und wir so in allen denkbaren oder undenkbaren Schubladen landen. Warum ist das so? Gibt es dazu einen Hintergrund? Ich habe darüber sehr viel nachgedacht und viel gelesen. Die Schlussfolgerungen, die ich daraus ziehe sind folgende:

unsere Welt wird immer komplexer und daher undurchschaubarer. Dies hat zur Folge, dass Ängste wach werden. Das Dumme daran ist, dass ich mit Lernprozessen im eigentlichen Sinn da nicht weiterkommen kann. Immer schneller und häufiger sind die unvorhersehbaren Veränderungen, die oft plötzlich auftauchen. Immer flexibler sollen wir sein. Immer höher, immer schneller, immer weiter! Kommt euch das bekannt vor?

Viele Menschen tendieren nun in dieser Welt dazu, alles vereinfachen zu wollen! Alles zu reduzieren auf wenige Faktoren. Das ist verständlich, denn so wird die Unsicherheit genommen und die Angst reduziert – subjektiv! Es ist aber keine adäquate Herangehensweise an eine komplexer gewordene Welt! Vor allem bei den Medien muss ich kritisch anmerken, dass der Einfluss dermaßen groß ist und somit diese Herangehensweise fatale Folgen haben kann! Wenn ganze Personengruppen über einen Kamm geschert werden, was so niemals stimmen kann, schürt das in dieser Personengruppe Emotionen, die oft unvorhersehbar sind. Manchmal sind sie vorhersehbar und besonders da muss ich schon fragen, wenn die Presse das weiß, warum nehmen sie die Reaktionen dafür in Kauf? Warum wird da gezielt geschürt? Wer oder was steckt dahinter? Sollten die Journalisten das nicht wissen, dann müsste ich mich schon fragen, wo sie ihre Ausbildung gemacht haben. Schubladisieren ist einfach, aber der einfache Weg ist nicht immer der beste! Wie sollten wir also mit dieser Komplexität umgehen?

Es gibt darauf nur eine Antwort: Intuition! Es mögen viele nicht hören, dass wir in einer Zeit leben, in der die Intuition eines der wichtigsten Attribute von uns sein sollte, denn Intuition ist nicht berechenbar, nicht naturwissenschaftlich darstellbar und somit unkalkulierbar. Ein großer Unsicherheitsfaktor, denn woher kann ich wissen, dass diese intuitive Entscheidung richtig ist? Aber in einer Welt, die dermaßen unberechenbar ist, ist die sogenannte „Bauchentscheidung“ oft die einzig richtige Antwort!

Jedoch muss schon auch gesagt werden, dass eine gewisse Stabilität in der Persönlichkeit vorhanden sein sollte. Wir sollten also wissen, wer wir sind, was wir wollen, was wir nicht wollen und ja, wir MÜSSEN fähig sein, auch mal „Nein“ zu sagen!

Gestern sagte jemand zu mir: „Sie sind aber geradeheraus!“ Wir thematisierten einige Dinge, die ich in Südtirol beobachtete. Wir sprachen über Faschismus. Ja, ich weiss genau, wie ich zu diesem Thema stehe und das artikuliere ich unmissverständlich. Dies scheint so manchen Menschen zu überraschen.

Als vor ein paar Wochen jemand sagte, dass er die Faschisten verstehen könne in Südtirol (was an sich schon ein Wahnwitz ist!), weil sie sich diskriminiert fühlen, musste ich meine ganze Energie aufwenden, um ruhig antworten zu können: „Ich werde niemals für Faschisten oder Nationalsozialisten Verständnis aufbringen! Niemals! Egal aus welchen Gründen sich ein Zugehöriger dieser Ideologien diskrimiert fühlt, Verständnis gibt es da von mir nicht. Ich kann viel verstehen, aber da hört mein Verstehenwollen schon auf! Da ist meine Grenze!“, nicht ohne vehementen Unterton. Auch da war ich geradeheraus!

Nach meinem Empfinden ist es besser geradeaus zu gehen bzw. zu sehen, als links oder rechts. In meinem Leben befleißige ich mich, eine wertneutrale Sprache zu sprechen. Das heißt einfach, nicht alles sofort unhinterfragt zu verteufeln oder in den Himmel zu loben. Wenn ich aber nach intensivem Studium einer Strömung oder Ideologie zum Schluss gekommen bin, dass dies nicht gut ist, dann fühle ich mich auch verpflichtet es zu sagen – dazu zu stehen. Egal, ob das Gegenüber diese Einstellung teilt oder nicht.

Um dies zu tun, muss ich aber innerlich gefestigt sein. Wenn ich nicht wüsste, wer ich bin, woher sollte ich dann wissen, wogegen oder wofür ich stehe? Daher benötigen wir Werte, die sich nicht schnell und unvorhergesehen wandeln. Werte, auf die ich vertrauen kann. Universelle Grundwerte, die mir Sicherheit geben. Dazu gehört auch meine kulturelle und spirituelle Identität, die auch hier im Blog erkennbar ist. Christliche Grundhaltung gepaart mit Tiroler / Österreichischer / Europäischer Kultur! Wer dies heute alles verteufelt, schüttet, im wahrsten Sinn des Wortes, das Kind mit dem Bade aus! Dagegen wehre ich mich, solange noch Atem in mir ist!

Ich erzähle euch, warum das so ist:

Vor Jahren arbeitete ich mit Jugendlichen, wunderbare Menschen, die ständig auf der Suche nach Sinnhaftigkeit waren. Ein Mädchen im zarten Alter von 15 Jahren hatte schon zwei Suizidversuche hinter sich und trotz medikamentöser Behandlung, war es ihr schwer möglich am sozialen Umfeld teilzunehmen. Eines Tages fragte sie mich, woran ich glaube. Ich sagte ihr klar, dass ich an Jesus Christus glaube! Sie lächelte mich mitleidig an und erzählte mir, dass ich also auch so eine Träumerin sei, von denen sie oft ihre Eltern reden hörte. Auf meine Frage, woran sie selbst denn glaube, hat mich ihre Antwort fast erschreckt: „Ich glaube an gar nichts, weil da nichts ist. Ich bin nur ein Unfall in der Evolution und ob ich lebe oder sterbe hat keine Auswirkung auf diese Prozesse! Ich bin doch nicht dumm und rede mit einem Gott, der gar nicht existiert, in der Hoffnung, dass DAS etwas an meiner Situation ändert!“

Da hatte ich die Antwort, warum es diesem wunderbaren Menschen so schlecht ging: Ihre Eltern haben ihr immer die „Wahrheit“ gesagt und sie sei ihnen dafür dankbar! Wahrheit? Wessen Wahrheit? Welche Wahrheit? Traurig und entsetzt musste ich feststellen, dass die Eltern – bestimmt ohne böse Absicht! – diesem Mädchen jegliche Hoffnung raubten, bevor ihr Leben eigentlich richtig beginnen konnte.

Selbst wenn dies DIE einzige Wahrheit wäre, würde ich sie einem Kind niemals antun. Wahrheit um jeden Preis? Das Leben ist viel zu wertvoll, als es einer Hoffnungslosigkeit von Anbeginn auszuliefern. Die Vorstellung von einem liebenden Gott, der mich von Anfang an gewollt hat und mich wunderbar gestaltet hat, der immer bei mir ist und über mich wacht, diese Vorstellung ist voller Hoffnung und positiver Energie! Es öffnet die ungeahnten Möglichkeiten in meinem Leben. Ein Urvertrauen, das wahrhaftig ausweglose Situationen überstehen lässt, ist die weit bessere Variante der Wahrheit, als alles andere! Das brauchte ich auch für mich, um eine gereifte Persönlichkeit zu entwickeln, da dieser Grundwert unveränderbar ist, egal, was in der Welt passiert!

Ein Glaube, der Berge versetzt? Ja, zumindest diesen Berg: Angst zu haben geradeheraus zu sein! Zu meinem Gott zu stehen und meine Kultur zu verteidigen, falls nötig! Jeden Tag rede ich mit meinem allerbesten Freund: Jesus von Nazareth! Manche mögen dies als Träumerei sehen, als ein Opium für das Volk oder sonst etwas. Mir macht das nichts aus, weil ich in ganz schweren Zeiten die Hilfe Gottes erlebt habe! Ich habe nicht nur Glauben, sondern Glaubensgewissheit erlangt. Aber den Versuch machen, mit diesem Gott zu reden bzw. ihn zu suchen, dies muss jeder und jede selbst tun. Ohne diesen Versuch wird man nie feststellen, ob dieser Gott real ist oder nicht. Denn er drängt sich nicht auf und wartet auf unser Handeln. So seh ich das. So erlebe ich das Tag für Tag.

Es ist also in meinen Augen immer wichtiger, den Kindern unveränderliche Werte mitzugeben, damit sie gefestigte Persönlichkeiten entwickeln können und damit auch ihrer Intuition vertrauen lernen. Das Schöne an Intuition ist, dass sie mehr wird, je mehr wir miteinander reden und gemeinsam auf ein Ziel hin arbeiten. Intuition ist ansteckend, könnte man sagen! Ich darf jeden Tag wachsen und Neues entdecken, weil ich gerne mit Menschen spreche. Weil ich gern höre, wie sie die Welt sehen, welche Wünsche, Zweifel und Sorgen sie haben. Dies beflügelt meine Intuition. Ich hoffe, dass dies auch bei den anderen geschieht.

Mein Fazit:

wir müssen keine Angst vor dieser komplexen, undurchschaubaren Welt haben, solange wir mit gegenseitigem Respekt und Achtung miteinander reden und arbeiten. Je komplexer die Welt werden wird, desto größer wird unsere Intuition werden, allerdings nur mit dem Schlüssel des Vertrauens, denn Angst blockiert unsere Intuition.

So wünsche ich uns allen viel Vertrauen in unsere Jugend und unsere Mitmenschen, aber vor allem in uns selbst, in unsere höchst persönliche Intuition!

Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir auf unterschiedlichsten Wegen Rückmeldungen zu meinem letzten Beitrag gaben! Ihr seid wirklich toll! DANKE!

 

 

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