Wasser des Lebens

Das Gebiet des historischen Tirols ist gekennzeichnet durch die Berge, aber auch Wasser. Der Berg speichert das Wasser und gibt es in Form von Wasserfällen, Bächen und Quellen wieder heraus. Im Bild seht ihr die Stuibenfälle in Reutte, meinem Heimatort. Es ist etwas Besonderes, dass wir genug Wasser haben. Oft ist uns das nicht bewusst. Wer schon mal in großen Städten war, wie London, Paris usw, weiß unser ausgezeichnetes Wasser erst richtig zu schätzen. Frisch und sauber kommt es aus unserer Wasserleitung. Aber auch das Bild eines Lebenslaufes drängt sich auf. Heute möchte ich euch an meinen Gedanken dazu teilhaben lassen.

Gerade im vergangenen Sommer war Nordtirol mit viel weniger Niederschlag als gewöhnlich konfrontiert. Auch im Süden war es so. Allerdings kommt es in den südlichen Regionen öfter vor. Sogar im Bezirk Reutte gab es um 40% weniger Regen. So sehr viele diesen Sommer genießen konnten, ist es doch eine bedenkliche Entwicklung. Aber wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Der Lebenslauf eines Menschen ist sicher mit einem Flusslauf zu vergleichen, zumindest ein Stück weit, metaphorisch betrachtet. Alles fängt klein an. So auch der Fluss mit einer Quelle. Und auch wir sind klein und hilflos, sobald wir das Licht der Welt erblicken. Da wird schon ein Stück des Weges vorgezeichnet: wo wir aufwachsen werden, welchen Kindergarten wir vermutlich besuchen werden, vielleicht wird sogar schon die Schulausbildung in Betracht gezogen. Ob dies dann auch umgesetzt werden kann, ist natürlich nie ganz sicher. Aber sicher ist, dass wir – so klein und hilflos – kaum viel mitentscheiden können. Unser Leben fließt so langsam dahin, eingebettet in der Familie, Verwandtschaft, Dorfgemeinschaft. Die Entscheidung, ob ein Hindernis umgangen werden muss, oder direkt angepackt wird, tragen unsere Eltern bzw. Erziehungsberechtigten.

Später sollen und können wir selbst entscheiden, welchen Weg wir nehmen möchten, sowie ob wir eine „Umgehung“ einlegen und so einem Hindernis ausweichen wollen.

Eines jedoch können wir nicht: die Zeit zurückdrehen und eine andere Entscheidung treffen. Die Zeit fließt wie das Wasser und auch das kann nicht hinauf- bzw. zurückfließen. Das ist auch gut so, sonst wäre die Welt ein wirres Durcheinander – ein ewiges Hin und Her, Vor und Zurück!

Ich orientiere mich am Wasser: es fließt! Ohne nachzudenken, ob es besser wäre nicht zu fließen! „Wie verrückt das klingt!“ denkt ihr vielleicht, „Wasser denkt nie!“ Ja, und ich wünsche mir das manchmal auch für mich: nicht zu viel nachdenken, einfach sein und das Leben genießen! Ist leichter gesagt, als getan. Und ja, das Denkvermögen haben wir aus gutem Grund, deshalb sollten wir es schon verwenden. Aber nicht zu viel, nicht ständig über Dinge nachdenken, die vielleicht passieren könnten. Sich nicht mit Problemen beschäftigen, wenn sie noch gar nicht da sind. Das ist ein Ziel von mir. Inzwischen trainiere ich das schon seit Jahren und ich werde immer besser darin.

Eine andere Eigenschaft des Wassers ist Sanftheit. Wasser umfließt Hindernisse und mit der Zeit werden sie so abgebaut. Abgeschliffen. Und zwar so, dass das Hindernis das gar nicht bemerkt. Ich nehme das als Vorbild für mich: sanft zu den Menschen sein, auch zu den besonders schwierigen Exemplaren. Manchmal muss ich mich in Geduld üben, weil der Effekt nicht so schnell eintritt. Aber mit der Zeit nehmen es die Menschen wahr und reagieren positiv auf mich. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel!

Grundsätzlich können wir die Stetigkeit und Beharrlichkeit von Wasser zum Vorbild nehmen. Habt ihr schon mal versucht fließendes Wasser aufzuhalten? Es findet früher oder später immer einen anderen Weg. Das ist die positive Nachricht: es gibt immer einen Weg! Manchmal muss man auf eine Gelegenheit warten, um aus einem – manchmal vielleicht auch selbstgemachten – Gefängnis zu entkommen. Keine Angst, wenn der Weg danach nicht bekannt ist und unser Leben sich gerade einen neuen Lauf sucht. Mit der Zeit wird das Bachbett tiefer und sicherer.

Nun zu einer weiteren Dimension von Wasser: im geistigen Bereich, sprich in allen Religionen spielt Wasser eine große Rolle. Es reinigt. Es erfrischt. In der Bibel wird das Wasser, das aus dem geöffneten Herzen Jesu zugleich mit seinem Blut  fließt, mit dem Heiligen Geist gleichgesetzt. Auch der Glaube an diesen christlichen Gott ist mir wichtig. Die Dreifaltigkeit, oder auch Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist ist eine zentrale Kraftquelle für mich. Diesen Geist der Kraft und des Wachstums, des Entstehens und Durchhaltens, des Friedens und der Freiheit wünsche ich uns allen.

In diesem Sinne leben wir in Tirol im Luxus des Trinkwassers, das einmal eine Besucherin aus Indien nicht fassen konnte: sie blickte immer nach oben, weil sie nicht verstehen konnte, woher bei blauem Himmel das Wasser am Berg kommen kann, welches so rein ist, dass man es ohne weiteres trinken kann! Für sie war es ein einziges Wunder!

Wie immer freue ich mich über eure Rückmeldungen und Meinungen zu diesem, oder auch anderen Themen, die ich hier im Blog bearbeite.

 

 

 

 

 

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