Besuch daheim

Vor kurzem war ich auf einen Kurzbesuch zuhause. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, denn trotz meiner „Anti-auf-Berge-klettern-Haltung“, habe ich unsere schroffen Felsengipfel doch sehr vermisst. Was an einem Tag alles passieren kann, ist schon irre – und das obwohl ich mir einfach ein wenig Erholung erhoffte….

Obwohl es der reisereichste Samstag in den Nachrichten war mit wilden Verkehrsprognosen, wollte ich dennoch gleich nach der Arbeit – ich arbeite ja auch samstags – starten. Ich freute mich einfach riesig, weil mir mein Heimatbezirk doch fehlt. Und trotz aller Prognosen hatte ich glücklicherweise nicht so viel Verkehr wie ich befürchtete. Ich kam also am Abend daheim an. Es ist immer schön in meine Wohnung zu gehen und zu sehen, dass alles noch in Ordnung ist.

Ich war doch sehr müde und über whatsapp sprach ich noch mit meinem Liebsten, der nicht mitkam, weil er am Montag wieder arbeiten musste. Über whatsapp sende ich dann meist auch Sprachnachrichten meinen Freunden, die sonst nicht viel von mir hören und die ich eher selten sehe. Meist mache ich es hier oben. In Reutte. Hier habe ich Zeit und Muße dazu.

Am nächsten Tag schlief ich erst mal lange und dann gönnte ich mir ein Frühstück mit Musik und das Wetter war prächtig. Ich brauchte mal diese Ruhe und diesen Frieden, denn nachdem meine beste Freundin gestorben war – ich erzählte es euch – hatte ich viel zu denken und zu überlegen und zu trauern… Da ich immer noch nicht wusste, wie sie starb, hatte ich ihrer Tochter geschrieben und am späten Vormittag rief sie mich an.

Die Schilderung ihres Todes war für mich zwar notwendig, aber doch auch sehr anstrengend. Nach dem Telefonat ging es mir nicht so gut. So ganz wusste ich immer noch nicht, wie ich das alles einordnen sollte. Aber die Sonne lachte vom Himmel und ich genoß meine Zigarette auf meinem Balkon.

Und dann:

Mein Nachbar oben – ich lebe ja in einem Mehrparteienhaus – schoss regelrecht eine Walnuss herunter. Ich hatte Glück, dass sie mich nicht getroffen hatte! Vor ein paar Monaten hatte ich immer mal Probleme mit diesem Nachbarn, aber mehr auf verbaler Ebene: er schrie am Balkon herum, nannte mich eine blöde Kuh, und stellte fest, dass alle Raucher vergast gehörten. Es wäre mühsam alles aufzuzählen und nicht sehr unterhaltsam. Also ich machte schließlich eine Beschwerde bei der Hausverwaltung und siehe da: RUHE! Ich nahm also an, dass das Problem vom Tisch ist.

Falsch gedacht. Wir befinden uns in einer neuen Dimension des Hasses! Ich sagte nur laut:“Aha! Ist das jetzt so üblich in der Nachbarschaft!“ Die Antwort folgte prompt: „Ja, wenn man tschiggn muss!“

Ich war überaus sauer. Es regte mich auf, dass ich nicht mal vor Gegenständen in meiner eigenen Wohnung geschützt bin. Aber ich fing an auf meine eigene Art  zurück zu schießen: ich telefonierte mit meiner Schwester sehr laut – natürlich auf dem Balkon – und schilderte ihr das Ereignis. Nicht ohne anzumerken, dass es sich hierbei nicht nur um einen Bruch der Hausordnung handelt, sondern es sich auch um eine versuchte Körperverletzung handelt! Man stelle sich vor diese Nuss hätte mich am Auge getroffen! Ich ließ mich über die Dummheit dieser Nachbarn aus und stellte fest, dass ich alles notiere und festhalte und natürlich die Hausverwaltung darüber informieren werde. Vor allem auch, dass es bei der nächsten Belästigung eine Anzeige bei der Polizei geben wird.

Diese Story erzählte ich nicht nur meiner Schwester, auch meinem Sohn und seiner Verlobten als sie mich besuchten. Und ja, jedem, der es hören wollte. Hihi… man hört dann immer oben die Balkontür auf- und zugehen. Es wurde leiser und leiser da oben. Nichts desto trotz ärgere ich mich über so viel Dummheit. Ist es wirklich so schwer ein kleines bisschen Toleranz aufzubringen? Tatsache ist für mich, dass jeder seine Grenzen hat und meine wurde eindeutig einmal zu viel überschritten. Jetzt ist Schluss! Das nächste Mal – so es eines gibt – wird die Polizei verständigt und Anzeige gemacht.

Dies wollte ich immer vermeiden, da sich die Polizei doch nicht mit solch dummem Kleinkram beschäftigen sollte. Aber dieser Kleinkram hat mir meine Ruhe und meinen Frieden geraubt und das lass ich nicht nochmal zu.

Bald fahre ich wieder heim. Diesmal für eine Woche. Ich freue mich sehr, hoffe aber auch, dass ich nicht die Polizei rufen muss!

 

 

 

2 Kommentare zu „Besuch daheim

  1. Nur nicht aufregen liebe Michaela! Der Nachbar hat dich wahrscheinlich sehr vermisst und ist einsam wenn nichts mehr passiert unter seiner Wohnung. 😂
    Er wollte sich nur bemerkbar machen, dass er noch lebt. Wegen dem Tod deiner Freundin tut es mir leid, mein Beileid! Ein schönes WE wünsch ich Die!

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